Kolumbien-aktuell No. 556 und Monatsbericht | Februar 2016

Liebe Leserinnen und Leser

Der Newsletter Februar widmet sich den Themen Klimawandel und Umweltschutz. Im Monatsbericht blicken wir auf 15 Jahre Plan Colombia zurück.

Diesen Monat verabschieden wir Regula Fahrländer in den Mutterschaftsurlaub. Die nächsten vier Monate wird Cornelia Britt den Newsletter verfassen.

Solidarische Grüsse aus der Redaktion!

 

I.  Artikel El Niño 2015: Kolumbien und der Klimawandel

Hervorgerufen durch einen starken El Niño-Effekt leiden grosse Gebiete Kolumbiens aktuell unter extremer Trockenheit. Es sind häufig dieselben Gebiete, die unter dem La Niña – Effekt 2010 litten, als weite Gebiete überschwemmt wurden. Sowohl La Niña 2010 wie auch El Niño 2015/2016 gehören zu den stärksten Klimaphänomenen der letzten Jahrzehnte und geben einen Vorgeschmack darauf, was für viele Regionen Kolumbiens Alltag werden könnte. Sie zeigen auch, dass Kolumbien auf den Klimawandel noch nicht vorbereitet ist und die in Paris gemachten Klimaversprechen in Widerspruch zu Entwicklungsprioritäten des Entwicklungsplanes stehen.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/umwelt-und-klimawandel/el-nino-2015-kolumbien-und-der-klimawandel/

Schutz von Mensch und Umwelt hat Vorrang: Verfassungsgericht erklärt mehrere Bergbaubestimmungen des Entwicklungsplanes für ungültig

Das Verfassungsgericht hat in einem wichtigen Urteil mehrere umstrittene Bestimmungen des Entwicklungsplanes in Bezug auf Bergbau und Erdölförderung für ungültig erklärt. So hat das Verfassungsgericht endgültig Bergbau in den Paramos, den ökologisch wertvollen Hochmooren, verboten, und damit den Schutz der natürlichen Ressourcen (u.a. Trinkwasser) höher eingestuft als das Recht der Bergbauunternehmen, die über Lizenzen in Paramos verfügen.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/ressourcenabbau-und-nachhaltigkeit/schutz-von-mensch-und-umwelt-hat-vorrang-verfassungsgericht-erklaert-mehrere-bergbaubestimmungen-des-entwicklungsplanes-fuer-ungueltig/

II. Monatsbericht:  Rückblick auf 15 Jahre Plan Colombia

Fünfzehn Jahre nach Vertragsabschluss des militärischen Kooperationsprogramms „Plan Colombia“ zwischen den damaligen Präsidenten Pastrana und Clinton, trafen sich Santos und Obama zu einer Jubiläumsfeier in Washington. Ob das Abkommen zur Drogen- und Aufstandsbekämpfung tatsächlich Anlass zur Feier darstellt, ist fraglich. Ein Rückblick auf die damaligen Ziele führt zu einem anderen Schluss, die Bilanz der Menschenrechtsverletzungen und die Veränderungen für marginalisierte Bevölkerungsschichten ebenso.

(Von Regula Fahrländer)

http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/rueckblick-auf-15-jahre-plan-colombia/

III. Apropos

Gewaltsame Enteignung in Roche, Rückkehr von umgesiedelten Familien an die Ursprungsorte

Am Mittwoch, 24. Februar 2016, wurde die Familie Ustate Fuentes aus der Gemeinschaft Roche enteignet und ihr Haus zerstört. Im Kontext dieser Enteignung hat die Demo-Polizei ESMAD die afrokolumbianische Gemeinschaft provoziert und Gewalt gegen sie ausgeübt. Die Familie von Tomás Ustate hat sich gegen die Umsiedlung durch die Mine Cerrejón gewehrt, da sie keine würdigen Bedingungen in den Vorschlägen des Unternehmens sah, namentlich genügend Land für das Vieh, Trinkwasser und faire Entschädigungszahlungen. In der Woche davor sind aus Chancleta und Patilla mehrere Personen und Familien an die Ursprungsorte zurückgekehrt, da die Lebensbedingungen an den neuen Orten unbefriedigend sind und keine Lösungen in Sicht sind. Seit über zwei Jahren wird nämlich in der sogenannten Mesa de líderes, in der die Gemeinschaften Chancleta, Patilla, Roche, Las Casitas und Tamaquito II vertreten sind, mit Cerrejón über verschiedene ungelöste Probleme der Umsiedlungen verhandelt, bisher ohne greifbare Resultate.

http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/el-cerrejon-und-xstrata/gewaltsame-enteignung-in-roche/

http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/el-cerrejon-und-xstrata/rueckkehr-an-alte-orte/

Gedenkfeier und bewaffneter Streik zum Todestag von Camilo Torres

Am 15. Februar 1966 starb Camilo Torres Restrepo, Priester und Mitglied der Guerilla ELN in einem bewaffneten Kampf. Er hatte sich nur wenige Monate zuvor der ELN angeschlossen. Camilo Torres war nicht nur Priester und Aufständischer, sondern Befreiungstheologe, Soziologe, Forscher und Politiker. Vor allem aber setzte er sich für einen Wandel in den Machtstrukturen ein, um eine gerechtere Gesellschaft und den Einbezug von verarmten und marginalisierten Bevölkerungsschichten zu erreichen.

Während Wochen fanden Veranstaltungen, Foren, Konzerte und Messen in Gedenken an Camilo Torres in ganz Kolumbien statt. An seinem Todestag organisierten soziale und kirchliche Bewegungen, Menschenrechtsorganisationen sowie Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft Gedenkfeiern. Dabei kam es besonders beim Umzug „Peregrinación por el amor eficaz“ in Barrancabermeja zu Stigmatisierung, Verfolgungen und Bedrohungen gegenüber sozialen Führungspersonen und einladenden Organisationen.

Die ELN ihrerseits hatte bereits am Vortag des Todestages via Twitter einen dreitägigen, bewaffneten Streik angekündet. In diesem Rahmen griff sie elektrische Infrastrukturen an, liess Granaten und Bomben explodieren und lieferte sich bewaffneten Kämpfen mit der Polizei. In diversen Departementen wurde der öffentliche Verkehr lahmgelegt.

http://www.elespectador.com/noticias/nacional/arrecian-los-ataques-del-eln-articulo-616594

http://www.camilovive.com/index.php/prensa-actualidad/35-conmemoracion-de-los-50-anos-del-asesinato-del-padre-camilo-torres

Sterbliche Überreste von Verschwundenen im Gefängnis La Modelo in Bogotá

Zeugenaussagen von einstigen Paramilitärchefs haben über 100 Fälle von erzwungenem Verschwindenlassen im Gefängnis La Modelo in Bogotá ans Licht gebracht. Zu den Opfern zählen ehemalige Gefängnisinsassen, BesucherInnen und Leichen, die von ausserhalb des Gefängnisses gebracht und dort versteckt wurden. Damals waren die Gefängnishöfe in absoluter Kontrolle der Paramilitärs.

Die Methoden des Verschwindenlassens waren verschieden. Die Menschen wurden erschossen, erstochen, vergiftet oder mit Elektroschocks ermordet, ihre sterblichen Überreste anschliessend mit Essensresten zusammen auf eine Schweinefarm gebracht. Später wurden die sterblichen Überreste in die Kanalisation geworfen oder in die Mauern eines neuen Gefängnistraktes eingebaut. Laut den Aussagen des Paramilitärs geschah dies alles im Wissen der GefängniswärterInnen der staatlichen Behörde INPEC. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, den Aussagen nachzugehen, die Generalinspektion des Staates (Procuraduría) will eine Sondereinheit mit Recherchen beauftragen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission verlangt dringende Ermittlungen und schliesst nicht aus, dass der Staat seiner Verantwortung nicht nachgekommen ist.

Die Situation in den Gefängnissen wird zurzeit generell thematisiert. Seit Mitte Januar befinden sich viele politische Gefangene in ganz Kolumbien im Hungerstreik, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Zudem fordert das Solidaritätskomitee mit politischen Gefangenen FCSPP die sofortige Schliessung des Gefängnisses Tramacúa in Valledupar (siehe Petition unten). Gemäss Urteil des Verfassungsgerichtes hatte die Aufsichtsbehörde eine Jahresfrist um die Bedingungen zu verbessern. Diese ist nun abgelaufen ohne dass es zu Verbesserungen kam.

http://www.contagioradio.com/eran-tres-los-mecanismos-de-desaparicion-forzada-en-la-carcel-modelo-articulo-20541/

http://www.contagioradio.com/internos-se-unen-a-crisis-carcelaria-articulo-20153/

Welle von Frauenmorden in Cali

Alleine im Januar wurden in Cali 14 Frauen umgebracht. Seit Monaten weist Andres Santamaría, Chef der staatlichen Ombudsstelle für Menschenrechte der Gemeinde (Personería) Cali, öffentlich auf die horrende Gewalt an Frauen hin. Diese sei in Cali nicht anders als im übrigen Kolumbien, nur gedenke er nicht, die Zahlen zu verheimlichen. Gemäss Erhebungen der Organisation Casa de la Mujer leben Frauen besonders in Städten gefährlich. Laut den jüngsten Zahlen wurden 2015 in Cali 88 Frauen getötet.

Die Polizei führt die Tötungsdelikte von Cali auf zwei Problematiken zurück: Der Femizid und das Mitwirken von Frauen in illegalen Gruppierungen, welche vor allem im Distrikt Aguablanca aktiv sind. Letzteres sei eine immer verbreitetere Praktik, da Frauen Waffen und Drogen, ohne von der Polizei durchsucht zu werden, transportieren können. Zudem brauchen illegale Gruppierungen Frauen, um Erpressungsgelder einzufordern und ihre Söhne zu rekrutieren. Diana Quigua von Casa de la Mujer, teilt diese Analyse nur mit Vorsicht. Es handle sich dabei in den meisten Fällen um Frauen, die in wirtschaftlich prekären Umständen leben und durch Macht- und Gewaltverhältnisse zum Mitwirken gezwungen werden.

http://www.semana.com/nacion/articulo/cali-por-que-matan-a-las-mujeres/458537

http://www.elpais.com.co/elpais/judicial/noticias/cali-han-sido-asesinadas-catorce-mujeres-corrido-2016

IV. Tipps und Hinweise

La tierra y la sombra – Filmvorführung in der Cinématte

Die Regionalgruppe Bern der ask! organisiert einen Filmanlass in der Cinématte. La tierra y la sombra erzählt die Geschichte von Alfonso, der nach 17 Jahren auf sein Grundstück zurückkehrt. Dabei trifft er nicht nur auf seine Vergangenheit und seine Familie, sondern auch auf eine apokalyptische Landschaft. Das Haus ist von Zuckerrohrplantagen umgeben, kontinuierlicher Aschenregen ist die Folge. Zur Suche nach einem Platz in der Familie kommt der Kampf für ein würdevolles Leben.

Montag, 7. März, 20.30 Uhr, in der Cinématte (Wasserwerkgasse 7, Bern).

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=xHjr1BV9kok

Petition zur Schliessung des Gefängnisses Tramacúa

Weil sich auch innerhalb der Jahresfrist, die das Verfassungsgericht der nationalen Behörde für Gefängnisse (INPEC) zur Verbesserung der Menschenrechtslage im Gefängnis Tramacúa in Valledupar gab, nicht geändert hat, fordert das Solidaritätskomitee mit politischen Gefangenen nun die Schliessung der Anstalt. Hier unterschreiben: http://chn.ge/1QfZrN

Jahresbericht 2015 der ask!

Der Jahresbericht der ask! 2015 ist zum Download bereit:

http://www.askonline.ch/publikationen/jahresberichte/

Redaktion: Regula Fahrländer

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