Kolumbien-aktuell No. 576 und Monatsbericht | Dezember 2017

I. Artikel

Die Wachspalme, Kolumbiens schutzloser Nationalbaum

Zwischen den Departementen Tolima und Quindío liegt das Flusstal des Tochecito, wo der grösste Wald von Wachspalmen Kolumbiens steht. Auf 4‘500 Hektaren stehen ca. 600’000 Palmen von 700’000, die in ganz Kolumbien existieren. Dieses Gebiet liegt versteckt hinter Bergen und war jahrzehntelang durch den bewaffneten Konflikt isoliert.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/ressourcenabbau-und-nachhaltigkeit/wachspalme-ungeschuetzt/

Kolumbiens grösster Páramo: durch Tourismus und Erdölförderung bedroht

Der grösste Páramo Kolumbiens, der Sumapaz, liegt nur etwa eine Autostunde von Bogotá entfernt. Aber noch vor wenigen Jahren kam kaum einE EinwohnerIn von Bogotá auf die Idee, am Wochenende in den Sumapaz zu fahren, da die Region wegen des internen bewaffneten Konflikts als gefährlich galt.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/ressourcenabbau-und-nachhaltigkeit/sumapaz-in-gefahr-durch-touristen-und-oelfoerderung/#_ftn1

Waffenstillstand und Menschenrechte

Der Waffenstillstand zwischen Regierung und ELN hat zwar zu einem Rückgang der Gewalt geführt, aber nur für die bewaffneten Akteure. Die Zivilgesellschaft in Kolumbien ist weiterhin der Gewalt ausgesetzt, soziale Führungspersonen und MenschenrechtsverteidigerInnen geraten immer stärker unter Druck. Der Staat macht dabei mit Gewaltexzessen gegen Protestierende keine gute Figur.

(Von Fabian Dreher)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/konfliktdynamik-und-bewaffnete-akteure/waffenstillstand-und-menschenrechte/

II. Monatsbericht: Die Frauen und der Friede in Kolumbien

Die kolumbianischen Friedensverhandlungen zwischen der Regierung von Juan Manuel Santos und den FARC-Rebellen werden auch schon als Meilenstein betreffend des Einbezugs der Frauen und der Berücksichtigung der Genderperspektive  in den Verträgen bezeichnet. Gemäss akademischen Kreisen und der internationalen Gemeinschaft handelt es sich um das weltweit fortschrittlichste und innovativste Friedensabkommen was die Berücksichtigung marginalisierter gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere der Frauen angeht.

(Von Ann-Seline Fankhauser)

http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/die-frauen-und-der-friede-in-kolumbien/

III.Apropos

Sonderwahlbezirke unter Beschuss

Nachdem die Sonderjustiz für den Frieden (JEP) in letzter Sekunde und mit fragwürdigen Änderungen vom Parlament verabschiedet wurde, verlagerte die politische Opposition ihren Kampf gegen die Umsetzung des Friedensvertrags und bekämpft nun die Schaffung von Sonderwahlbezirken (circunscipciones especiales para la paz) für die Opfer des bewaffneten Konflikts.

Gemäss dem Friedensvertrag erhalten die Opfer des bewaffneten Konflikts für die Legislaturperioden 2018-2022 und 2022-2026 zusätzliche 16 Sitze im Repräsentantenhaus. Dafür sollen 16 Sonderwahlbezirke in den vom Konflikt am stärksten betroffenen Gebieten geschaffen werden.

Der Senat stimmte der entsprechenden Gesetzgebung Ende November mit 50 Jastimmen und sieben Gegenstimmen zu. Mit einer juristisch und politisch äusserst fragwürdigen Argumentation bestritt der Senatpräsident das Zustandekommen des nötigen Quorums. Gemäss Reglement des Senats müssen mindestens die Hälfte des Senats einem Gesetz zustimmen. Der kolumbianische Senat hat zwar 102 Sitze, allerdings sind akuell drei Senatoren auf Grund strafrechtlicher Untersuchungen suspendiert. Damit liegt das Quorum bei 50 Stimmen.

Dies sieht auch Präsident Santos so. Nach dem Entscheid des Senatspräsidenten, der die Gesetzgebung für gescheitert erklärte, rief die Regierung das Verfassungsgericht um Klärung an. Dort erhielt Präsident Santos jedoch eine Abfuhr, das Gericht erklärte sich für nicht zuständig. Die Regierung sucht nun nach einer Möglichkeit, die Sonderwahlbezirke auf dem Verordnungsweg zu schaffen.

Auf den Entscheid des Senatspräsidenten hin reichten Opfergruppen eine Grundrechtsklage (tutela) wegen Verletzung ihres Rechtsanspruchs ein. Am 11. Dezember 2017 entschied ein Verwaltungsgericht in Bogotá zu ihren Gunsten und forderte den kolumbianischen Kongress zur Ratifizierung der Gesetzgebung auf. Der Senat bestreitet die Zuständigkeit der Justiz während die Regierung den Entscheid begrüsst. Weitere juristische und politische Auseinandersetzungen sind damit vorprogrammiert.

https://lta.reuters.com/article/domesticNews/idLTAKBN1DU34Z-OUSLD

https://www.diariolasamericas.com/america-latina/senado-colombiano-elimina-escanos-destinados-victimas-del-conflicto-n4138291

https://www.elespectador.com/noticias/politica/y-no-fue-el-congreso-de-la-paz-se-hundio-la-reforma-politica-y-curules-de-paz-penden-de-un-hilo-articulo-725826

http://m.elcolombiano.com/santos-pide-revision-de-la-corte-constitucional-a-las-circunscripciones-de-paz-HB7829955

http://noticierocolombia.com/tutela-revive-las-circunscripciones-especiales-de-paz/

http://extra.com.co/noticias/politica/juez-de-bogota-ordena-promulgar-circunscripciones-de-paz-377250

http://m.elcolombiano.com/presidente-del-senado-efrain-cepeda-asegura-que-el-proyecto-que-crea-circunscripciones-de-paz-no-se-aprobo-AL7850200

Filme zum Kohleabbau in Kolumbien

In den letzten Wochen wurden verschiedene Filme unterschiedlicher Organisationen über die Problematik des Kohleabbaus in Kolumbien veröffentlicht. Im ersten Film von terre des Hommes Detschland und Contravía geht es um El Hatillo, ein Dorf, das auch die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien seit sieben Jahren eng begleitet: https://www.pscp.tv/w/1nAKEWqOYpgJL. Auf einer zweiten Seite sind vier kürzere Produktionen zusammengefasst, die sich mit dem Kohleabbau im Cesar und in der Guajira beschäftigen: https://justiciaambientalcolombia.org/2017/05/13/4-documentales-cortos/.

Gewalt gegen indigene Gemeinschaften

Gemäss dem Dachverband der indigenen Gemeinschaften (ONIC) wurden 2017 bisher 44 Führungspersonen indigener Gemeinschaften ermordet. Zudem haben auch Vertreibungen deutlich zugenommen. Die Gewalt wird hauptsächlich von Dissidenten FARC-KämpferInnen sowie Paramilitärs in den Departementen Chocó, Nariño, Putumayo y Cauca ausgeübt.

http://m.elcolombiano.com/homicidios-de-indigenas-en-colombia-FM7842135

Die ZHdK in den Montes de Maria

In Zusammenarbeit mit dem kolumbianischen Kulturministerium unterstützt die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) in den Montes de Maria (Departemente Sucre und Bolívar) ein Kulturmagazin. Die Schweiz-Kolumbianerin Andrea Roca, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHdK erklärt in einem Interview, warum.

http://www.mincultura.gov.co/prensa/noticias/Paginas/La-Universidad-de-Artes-de-Z%C3%BCrich-apuesta-por-los-Montes-de-Maria.aspx

IV. Tipps und Hinweise

DVD: ask! – im steten Einsatz für die Menschenrechte

Der Einsatz der ask! für die Menschenrechte gleicht einer Sisyphusarbeit. Täglich setzen wir uns mit Menschenrechtsverletzungen auseinander, werden mit Gräueltaten und menschlichen Abgründen konfrontiert. Wir berichten über Morde, Attentate aber auch über erfolgreiche Proteste und Schutzprogramme. Ohne Liebe zu Land und Leuten wäre diese Arbeit auf Dauer nicht möglich.

Zum 30jährigen Jubiläum der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien haben wir unsere Arbeit in einem Film zusammengefasst und so für uns, unsere Freunde und UnterstützerInnen greifbar gemacht. Auf unserer Webseite der per Email könnt ihr den Film für CHF 20.- (plus Versandkosten) kaufen.

Bilder der Fotoausstellung «Kolumbiens Weg zum Frieden» zu verkaufen

Anlässlich des 30. Geburtstags der ask! organisierte die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien gemeinsam mit dem Romerohaus von Comundo eine Fotoausstellung mit den Werken des renommierten Fotografen Jonas Wresch. Die Ausstellung war vom 18. August bis am 14. September im Romerohaus in Luzern zu sehen und danach vom 16. bis 31. September 2017 im Progr in Bern zu Gast. Einige Bilder haben bereits an den Ausstellungen eine/n neue/n Besitzer/in gefunden. Die verbleibenden Bilder können nun zum Sonderpreis von CHF 150.- bei der ask! erstanden werden (Format 40x60cm). Der Erlös der Bilder kommt der Arbeit der ask! zu Gute. Perfekt als Farbtupfer in jedem Büro oder als Weihnachtsgeschenk.

http://www.askonline.ch/fileadmin/user_upload/documents/Newsletter/Jonas_Wresch_Caption_Broschuere_-_Newsletter_11.17.pdf

Dokumentarfilm: Porque vivos se los llevaron

Dokumentarfilm über die Zwangsverschleppten in Kolumbien

Spanisch mit englischen Untertiteln, danach Diskussion mit dem Regisseur

Freitag, 12. Januar 2018 ab 18:30

Ort: Stille Bewegung, Bümplizstrasse 101, 3018 Bern (gut erreichbar mit öV: Tram Nr. 7 bis Bümpliz Post oder Tram Nr. 8 bis Bethlehem Säge)

Eintritt frei (Kollekte)

http://www.askonline.ch/fileadmin/user_upload/documents/Veranstaltungen/2018.01.12_Documental_sobre_los_desaparecidos_en_Colombia.pdf

V.  Lesenswerte Artikel

 

–       Die grossen Herausforderungen der vor kurzem eingesetzten Wahrheitskommission: https://www.razonpublica.com/index.php/conflicto-drogas-y-paz-temas-30/10722-los-desaf%C3%ADos-de-la-comisi%C3%B3n-de-la-verdad.html

–       Francisco González, ehemaliges Mitglied der FARC im Interview (französisch): https://www.lecourrier.ch/154681/dix_ans_pour_changer_la_colombie

–       Ungenügender Kampf Kolumbiens gegen den illegalen Bergbau im Amazonas: http://blogs.elespectador.com/medio-ambiente/mongabay-latam/las-medidas-la-mineria-ilegal-la-amazonia-colombiana-no-suficientes

–       Jahrestag der Ermordung von Yuliana Samboní: http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/un-ano-del-crimen-que-indigno-al-pais-EM7806152

–       Reform der kolumbianischen Politik erleidet Schiffbruch: https://www.razonpublica.com/index.php/conflicto-drogas-y-paz-temas-30/10740-el-hundimiento-de-la-reforma-pol%C3%ADtica-lo-bueno,-lo-malo-y-lo-feo.html

–       Interview mit der Verantwortlichen für die Kommunikation von Glencore in der Schweiz: https://www.zentralplus.ch/de/news/wirtschaft/5554146/%C2%ABNein-Glencore-l%C3%BCgt-nicht%C2%BB.htm

Redaktion: Fabian Dreher

 

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