[kolumbienaktuell-ask] Kolumbien-aktuell No. 583 und Monatsbericht | August 2018

Am 7. August 2018 trat der neue Präsident Kolumbiens, Iván Duque sein Amt an. Er übernimmt damit die Führung eines in zentralen Fragen gespaltenen Landes. Die grösste Herausforderung seiner Präsidentschaft wird wohl der fragile Friedensprozess, den er von seinem Vorgänger übernimmt. Verschiedene Ankündigungen und erste Amtshandlungen lassen aus der Sicht der Zivilgesellschaft nichts Gutes erwarten. Erstaunlich knapp verpasste die Volksabstimmung am 27. August 2018 (consulta popular) über sieben die Korruption betreffende Fragen das notwendige Quorum von einem Drittel der Stimmberechtigten (12‘140‘342 Stimmen). Über 99 Prozent der mehr als 11 Millionen Abstimmenden sprechen sich deutlich gegen die Korruption in Kolumbien aus. Weitere Informationen und Artikel zum Thema finden Sie z.B. unter https://www.eltiempo.com/politica/partidos-politicos/resultados-de-la-consulta-anticorrupcion-de-2018-en-colombia-260372

Die Menschenrechtslage bleibt derweil in Kolumbien weiterhin prekär. Insbesondere die Gewalt gegen MenschenrechtsverteidigerInnen und soziale Führungspersonen nimmt kein Ende. Auch der Staat macht dabei fleissig mit. Am 20. April nahm die Staatsanwaltschaft die beiden Führungspersonen des Consejo Comunitario Alto Mira y Frontera (Nariño) und MenschrechtsverteidigerInnen des Proceso de Comunidades Negras (PCN), Sara Quiñones und Tulia Maris fest. Zu Unrecht wirft die Staatsanwaltschaft ihnen Rebellion, Drogenhandel und Zwangsrekrutierungen vor. Ohne Gerichtsprozess und Urteil sind sie seither im Hochsicherheitsgefängnis von Jamundí (Valle) inhaftiert. Gemeinsam mit dem PCN und der Solidaritätsbewegung rufen wir dazu auf, Sara und Tulia 10‘000 Unterstützungsbriefe zu schicken. Die Anleitung dazu finden Sie hier: http://www.askonline.ch/fileadmin/user_upload/documents/Newsletter/Sara_Tulia.jpg

Wie üblich haben wir im Juli keinen Newsletter und Monatsbericht publiziert, dafür enthält der vorliegende Newsletter vom August 2018 umso mehr spannende Artikel und Hintergrundinformationen zum Friedensprozess und der Menschenrechtslage in Kolumbien. Wir haben auch im Herbst 2018 wieder viele interessante Veranstaltungen geplant und würden uns freuen, Sie an der einen oder anderen Veranstaltung begrüssen zu dürfen.

I.  Artikel

Politische Unsicherheit unter Präsident Duque

Seit dem 7. August ist der neue Präsident Iván Duque im Amt. Seine politische Verortung ist klar, sein Regierungskabinett auf den ersten Blick einigermassen ausgewogen. Die politische Opposition hat sich konstituiert während sein Ziehvater Álvaro Uribe in Problemen mit der Justiz versinkt. Die Zivilgesellschaft hofft, dass der Friedensprozess weitergeführt wird und wird die neue Regierung an ihren Taten messen.

(Von Fabian Dreher)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/konfliktdynamik-und-bewaffnete-akteure/politische-unsicherheit-unter-praesident-duque/

Probleme der Finanzierung der räumlichen Entwicklungspolitik von Kolumbien durch die Weltbank

Die Weltbank finanziert in Kolumbien Entwicklungsprogramme um damit den Friedensprozess zu unterstützen. 2016 genehmigte die Bank einen Kredit über 100 Millionen USD, um die räumliche Entwicklung in Kolumbien zu fördern. Damit soll ein multifunktionales Bodenkataster erstellt werden. Die Weltbank wie Kolumbien haben es jedoch unterlassen, die mittel- und langfristigen sozialen und ökologischen Risiken und Auswirkungen des Projekts zu untersuchen. Damit werden die Rechte verletzlicher Bevölkerungsgruppen und insbesondere ethnischer Minderheiten verletzt.

(Von Fabian Dreher)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/wahrheit-wiedergutmachung-und-gerechtigkeit/probleme-der-finanzierung-der-raeumlichen-entwicklungspolitik-von-kolumbien-durch-die-weltbank/

Stand der Umsetzung des Friedensabkommens (Dezember 2016 bis Mai 2018)

Der zweite Bericht des KROC-Instituts zeigt auf, dass inzwischen 21 Prozent der Bestimmungen des Friedensvertrags zwischen Regierung und FARC vollständig umgesetzt wurden. Weitere 40 Prozent wurden zumindest in Angriff genommen. Anlass zur Sorge besteht jedoch da die übrigen 39 Prozent der Bestimmungen tiefgreifende strukturelle und institutionelle Reformen bedingen, die politisch nicht unumstritten sind. Die Umsetzung des Friedensvertrags ist jedoch langfristig angelegt, entsprechend kann erst in 15 bis 20 Jahren ein definitives Fazit gezogen werden.

(Von Fabian Dreher)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/wahrheit-wiedergutmachung-und-gerechtigkeit/stand-der-umsetzung-des-friedensabkommens-dezember-2016-bis-mai-2018/

Zwiespältige Bilanz nach 18 Monaten Implementierung des Friedensabkommens

Anfang Juni 2018 hat die kolumbianische Stiftung für Frieden und Versöhnung PARES einen weiteren Zwischenbericht zum Stand der Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der ehemaligen FARC-Guerilla herausgegeben. Nach 18 Monaten ist es möglich, differenzierte Schlüsse über den Stand der Umsetzung und die anstehenden Herausforderungen zu ziehen. Obwohl der Friedensschluss mit den FARC ein Ereignis von historischer Tragweite ist, fehlt der Implementierung des Abkommens immer noch ein tragfähiges Fundament und sind viele Hindernisse immer noch nicht aus dem Weg geräumt worden. Die Probleme bestehen hauptsächlich in vier Bereichen.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/wahrheit-wiedergutmachung-und-gerechtigkeit/vierter-bericht-zur-implementierung-von-pares/

Weiterhin viele offene Fragen um das Wasserkraftprojekt Hidroituango

Rund drei Monaten sind seit der Katastrophe beim Staudammprojekt Hidroituango vergangen. Dank der trockenen Jahreszeit konnte die akute Gefahrensituation überwunden werden, viele Probleme bestehen aber weiter. So gibt es weiterhin Erdrutsche und Instabilität im Fels und es besteht die Gefahr, dass die Verstopfung in einem der beiden Umleitungstunnel sich spontan löst und zu neuen Überschwemmungen führt. Auch ist noch nicht klar, wie schwer die Schäden im überfluteten Maschinenhaus sind. Trotzdem geben sich die Stadtwerke Medellín EPM optimistisch, dass das Stauwerk fertig gestellt und Anfang 2019 den Betrieb aufnehmen kann. Ríos Vivos kämpft dagegen und die Gewalt in der Region hat weiterhin ein erschreckendes Ausmass.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/ressourcenabbau-und-nachhaltigkeit/up-date-hidroituango/

II. Monatsbericht: Ansätze für eine alternative Drogenpolitik: Entkriminalisierung und Regulierung von Produktion, Handel und Konsum von Kokain

Am 2. Juli 2018 fand in Bern ein Vortragsabend zum Thema Drogenpolitik in Kolumbien und in der Schweiz statt. Unsere beiden Gäste, Luz Piedad Caicedo von der kolumbianischen NGO Corporación Humanas, und Thilo Beck, Suchtexperte bei ARUD in Zürich, legten ihre Sicht auf die Drogenproblematik und ihre Lösungsansätze dar und diskutierten mit dem Publikum. Es wurde an diesem Abend klar, dass die repressive Drogenpolitik gescheitert ist, dass eine drogenfreie Welt eine Illusion ist und es darum geht, den Konsum sozial zu steuern. Unsere beiden ExpertInnen legten dar, dass eine Legalisierung aller psychoaktiven Substanzen, eine kontrollierte, regulierte Zurverfügungstellung von Drogen viel weniger Probleme schafft als das aktuelle Prohibitionsregime. Der vorliegende Monatsbericht gibt den Vortragsabend wieder.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/interview-zu-alternativer-drogenpolitik-mit-luz-und-thilo/

III. Apropos

Erste Fälle der Sonderjustiz für den Frieden

Nachdem das Verfassungsgericht die Sonderjustiz für den Frieden (JEP) in ihren Grundsätzen gutgeheissen hat, nahm die JEP trotz umstrittener Verfahrensregeln ihre Arbeit auf. Politisch bleiben die vom Kongress vorgenommenen Änderungen insbesondere im Bereich Auslieferungsverfahren (z.B. von alias Jesús Santrich) und der Verantwortung von Angehörigen des Militärs umstritten. Die kolumbianische Juristenkommission (CCJ) sowie Dejusticia ziehen die Verfahrensregeln wegen Zweifeln an ihrer Rechtmässigkeit vor das Verfassungsgericht.

Ebenfalls umstritten ist der Entscheid der JEP, die ehemaligen Senatoren Char und Ashton, die wegen Parapolitik verurteilt wurden, von der Sonderjustiz auszuschliessen. Der Ausschluss von Unternehmern und Politikern von der JEP verhindert die im Friedensvertrag festgeschriebene Wahrheitsfindung und Ahndung der im bewaffneten Konflikt begangenen Verbrechen.

Eine weitere Polemik entstand um die Forderung der Wahrheitskommission und der JEP nach Öffnung der geheimen Archiven der Armee ab 1953 bis heute.

Trotz dieser Probleme eröffnete die JEP im Juli die ersten drei Fälle, die untersucht werden sollen. Fall 001 befasst sich dabei mit dem „illegalen Festhalten von Personen durch die FARC-EP“. 32 Mitglieder des ehemaligen Generalstabs und Sekretariats der FARC wurden zur Einvernehmung vor die JEP geladen. Dort konnten sie ihre Version der Ereignisse präsentieren und wurden vom Gericht befragt. Der Fall 002 befasst sich mit den Menschenrechtsverletzungen durch die FARC und die Armee an der Bevölkerung in Tumaco, Barbacoas und Ricaurte (Nariño) in den Jahren 1990 bis 2016. Der Fall 003 verhandelt die „durch Angehörige der staatlichen Sicherheitskräfte unrechtmässigerweise als in Kampfhandlungen getöteten Personen. Diese aussergerichtlichen Hinrichtungen werden oft auch als „falsos positivos“ bezeichnet.

http://www.corteconstitucional.gov.co/relatoria/2017/c-674-17.htm

https://www.razonpublica.com/index.php/conflicto-drogas-y-paz-temas-30/11225-las-reglas-de-procedimiento-de-la-jep-un-cambiazo-al-acuerdo-con-las-farc.html

https://www.elespectador.com/noticias/judicial/demandan-ante-la-corte-constitucional-la-ley-de-procedimiento-de-la-jep-articulo-803667

https://www.jep.gov.co/Sala-de-Prensa/Paginas/JEP-rechaza-solicitudes-de-ex-senadores-Char-y-Ashton.aspx

https://www.dejusticia.org/wp-content/uploads/2018/06/Consideraciones-Char.pdf?x39172

http://www.resumenlatinoamericano.org/2018/08/01/colombia-excluir-a-empresarios-y-politicos-de-la-jurisdiccion-especial-para-la-paz-es-perpetuar-la-impunidad/

http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/ejercito-y-policia-revelaran-archivos-secretos-GF8979459

https://www.dw.com/de/farc-rebellen-erstmals-vor-gericht/a-44657609

https://www.nodal.am/2018/07/colombia-31-lideres-de-la-farc-enfrentan-audiencia-ante-la-justicia-especial-para-la-paz/

http://www.taz.de/Sonderjustiz-und-Frieden-in-Kolumbien/!5522187/

https://colombia2020.elespectador.com/jep/caso-002-en-la-jep-busca-esclarecer-victimizaciones-contra-indigenas-y-afros-de-tumaco

https://www.jep.gov.co/Sala-de-Prensa/Paginas/JEP-abre-caso-003.aspx

Friedensverhandlungen mit dem ELN

In den letzten Wochen seiner Präsidentschaft hat Juan Manuel Santos nichts unversucht gelassen, doch noch zumindest einen Waffenstillstand mit dem ELN zu erreichen. Er verstärkte seine Verhandlungsdelegation in Kuba, der Erfolg blieb jedoch aus. Der ELN bekräftigte jedoch seinen Willen, die Friedensverhandlungen mit dem Nachfolger von Santos weiterzuführen und beliess seine Verhandlungsdelegation in Havanna. Kurz vor Ende seiner Amtszeit übergab Santos das Geschäft an seinen Nachfolger Iván Duque.

Die kolumbianische Staatsanwaltschaft macht das ELN für ein Massaker in der Gemeinde Argelia (Cauca) verantwortlich, das ELN bestritt jedoch die Täterschaft. Das ELN übernahm dafür die Verantwortung für die Entführung von sechs Personen im Chocó, darunter drei Polizisten und ein Angehöriger der Armee. Dies wird die Verhandlungsbereitschaft der neuen Regierung wohl kaum verbessern.

http://m.elcolombiano.com/colombia/arranca-el-que-puede-ser-el-ultimo-ciclo-de-conversaciones-con-el-eln-IK8941183

http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/gobierno-acelera-proceso-de-paz-con-el-eln-BN9069773

https://www.nodal.am/2018/07/colombia-el-eln-reitera-su-voluntad-de-dialogo-con-duque-en-torno-a-los-acuerdos-de-paz/

http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/eln-se-queda-en-cuba-esperando-nuevo-equipo-negociador-YN9096054

http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/juan-manuel-santos-e-ivan-duque-se-reuniran-para-hablar-del-proceso-de-paz-con-el-eln-CC8949657

http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/eln-desmiente-responsabilidad-en-masacre-de-argelia-cauca-HC8949933

http://m.elcolombiano.com/colombia/paz-y-derechos-humanos/eln-confirma-secuestro-de-civiles-y-miembros-de-la-fuerza-publica-JE9107803

Acht Jahre Präsident Santos: ein Rückblick

Nach acht Jahren an der Macht hat Juan Manuel Santos das Amt am 7. August 2018 an seinen Nachfolger, Iván Duque übergeben. Der abtretende Präsident kann einige Erfolge vorweisen, dabei sticht der Abschluss eines Friedensvertrags mit der ehemaligen Guerilla der FARC sicherlich hervor. Er hinterlässt jedoch einen fragilen Frieden und es ist fraglich, ob es seinem Nachfolger gelingen wird, diesen zu sichern.

Die Wirtschaft wuchs stetig unter Santos, jedoch in den letzten drei Jahren eher unter den Erwartungen. Die Armut konnte zwischen 2010 und 2017 von 37,2 auf 26,9 Prozent der Bevölkerung deutlich reduziert werden. Damit waren 2017 noch 12,9 Millionen KolumbianerInnen von Armut betroffen. Auch von extremer Armut sind beinahe 2 Millionen Menschen weniger betroffen als noch 2010. Die Ungleichheit innerhalb der kolumbianischen Gesellschaft nahm von 2010 bis 2017 leicht ab, der Ginikoeffizient sank vom 0,56 auf 0,51 (wobei 1 einer komplett ungleichen und 0 einer komplett gleichen Gesellschaft entspricht).

Kurz vor dem Ende seiner zweiten Amtsperiode konnte Präsident Santos noch einige Erfolge feiern. Die im Friedensvertrag vereinbarte Sonderjustiz für den Frieden nahm mit der Anhörung der ehemaligen FARC-AnführerInnen ihre Arbeit auf. Beinahe gleichzeitig konnte er auch ehemalige Mitglieder der FARC als Mitglieder des Kongresses in Bogotá begrüssen und ein Friedensdenkmal einweihen, das mit den Waffen der ehemaligen FARC-KämpferInnen gebaut wurde.

Bei der Umsetzung des Friedensvertrags blieb Santos jedoch auf Grund politischen Widerstands auf halbem Weg stecken. Die integrale Landreform zum Beispiel lässt weiter auf sich warten und auch die ländlichen Entwicklungsprogramme (PDETs) konnten nicht wie geplant starten. Auch sind die ehemals von den FARC kontrollierten Gebiete weiterhin grosser Unsicherheit ausgesetzt. Auch der Abschluss eines Friedensvertrags mit dem ELN war Santos nicht vergönnt.

https://www.srf.ch/news/international/frieden-in-kolumbien-es-bleibt-ein-grosser-wurf

https://www.razonpublica.com/index.php/politica-y-gobierno-temas-27/11311-santos-redujo-la-pobreza-y-la-desigualdad.html

http://noticias.alianzanews.com/187_america/5526505_santos-destaca-los-primeros-frutos-de-la-jurisdiccion-especial-para-la-paz.html

https://www.nzz.ch/international/ex-rebellen-in-kolumbien-nehmen-ihre-parlamentssitze-ein-ld.1405420
https://verdadabierta.com/santos-no-alcanzara-entregar-programas-desarrollo-enfoque-territorial/

https://colombia2020.elespectador.com/politica/pactar-nuevo-cese-al-fuego-entre-eln-y-gobierno-quedo-en-manos-de-duque

https://www.tagesspiegel.de/politik/kolumbien-menschenrechtler-in-gefahr/22839498.html

Ermordete MenschenrechtsverteidigerInnen

Drohungen, Gewalt und Morde an MenschenrechtsverteidigerInnen und sozialen Führungspersonen sind weiterhin an der Tagesordnung. Beinahe täglich erreichen uns Botschaften von weiteren Morden an Führungspersonen indigener, afrokolumbianischer und kleinbäuerlicher Gemeinschaften, Menschen die ihr Land schützen und bewahren wollen. Die ihre Familie und ihre Gemeinschaft von der Gewalt fernhalten wollen. Die sich gegen Gewalt und Vertreibung wehren. Gemäss Studien sollen im ersten Halbjahr 2018 bereits über 120 MenschenrechtsverteidigerInnen ermordet worden sein. Mehr als 2016 und 2017 im ganzen Jahr.

Die Zivilgesellschaft zeigt bei Protesten ihre grosse Unterstützung für die MenschenrechtsverteidigerInnen und fordert die staatlichen Institutionen zum Handeln auf. Auch internationale Organisationen wie die UNO und die Interamerikanische Menschenrechtskommission verurteilen die Morde und fordern Kolumbien auf, die MenschenrechtsverteidigerInnen besser zu schützen.

Der kolumbianische Staat tut derweil wenig. Er analysiert ein bisschen die Situation, verspricht Abhilfe und eine Verstärkung von Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz, aber am Schluss ändert sich wenig. Es bleibt zu befürchten, dass die Gewalt und Morde auch unter der neuen Regierung von Iván Duque unvermindert weitergehen und die Täter weiterhin straflos bleiben.

https://www.nodal.am/2018/07/en-colombia-asesinan-a-un-lider-social-cada-cuatro-dias-segun-la-fundacion-paz-y-reconciliacion/
https://www.radiocutivalu.org/asesinan-a-tiros-a-otro-lider-social-en-colombia-van-120-en-este-ano/

https://analisisurbano.org/en-putumayo-asesinan-a-padre-e-hijo-y-dejan-heridos-a-tres-familiares-de-comunidad-indigena/

http://gerente.com/co/new-rss/colombia-conflicto-colombia-se-alumbra-con-velas-para-rechazar-los-asesinatos-de-lideres-sociales/

http://elestimulo.com/blog/miles-protestan-en-colombia-contra-asesinatos-que-amenazan-proceso-de-paz/

http://www.redmas.com.co/colombia/gobierno-colombia-evaluara-la-seguridad-lideres-sociales/

http://noticias.alianzanews.com/187_america/5515647_en-colombia-hay-180-ordenes-de-captura-por-muerte-y-amenazas-a-lideres-sociales.html

https://www.razonpublica.com/index.php/conflicto-drogas-y-paz-temas-30/11246-los-l%C3%ADderes-sociales-y-la-suma-de-todos-los-miedos.html

https://contactohoy.com.mx/duque-dice-que-autores-de-ataques-a-lideres-deben-ser-duramente-castigados/

Grösster Tropenwald Nationalpark der Welt

Mit der Vergrösserung des Nationalparks Serranía de Chiribiquete (Caquetá und Guaviare) um 1,5 Millionen Hektaren auf 4,3 Millionen Hektaren besitzt Kolumbien seit dem 1. Juli 2018 den grössten tropischen Nationalpark der Welt. Der Nationalpark verbindet mit der Orinocosavanne, den Anden, dem Bergland von Guayana und dem Amazonas vier unterschiedliche Ökosysteme.

Die Region ist nicht nur Heimat vieler gefährdeter Tierarten, sondern auch vieler indigener Völker. Deren Wandmalereien beweisen, dass diese die Gegend bereits seit über 20‘000 Jahren bewohnen. Auch ihre Kultur wird gemeinsam mit der Natur unter Schutz gestellt.

https://www.tagesschau.de/ausland/kolumbien-nationalpark-101.html

https://www.razonpublica.com/index.php/econom-y-sociedad-temas-29/11244-parque-nacional-chibiriquete-un-ejemplo-de-conservaci%C3%B3n-ambiental-y-cultural.html

https://www.watson.ch/lateinamerika/natur/281644419–groesser-als-holland-so-sieht-der-groesste-tropenwald-nationalpark-der-welt-aus-

Studie staatlicher Verbrechen unter Uribe

Ein vor enigen Monaten veröffentlichtes Buch beziffert die während der Präsidentschaft von Álvaro Uribe verübten aussergerichtlichen Hinrichtungen auf über 10‘000. Begangen wurden die Verbrechen von allen staatlichen Sicherheitskräften, über 90 Prozent davon von der Armee. Angefeuert wurden die als „falsos positivos“ bezeichneten Hinrichtungen von politischen Vorgaben der Aufstandsbekämpfung, finanziert wurde dieser Krieg gegen die eigene Bevölkerung durch den Plan Colombia der Vereinigten Staaten.

Über 4500 Militärangehörige waren gemäss Studie an den Hinrichtungen beteiligt, die meisten Fälle wurden jedoch bis heute nicht aufgearbeitet. Verurteilt wurden wenn überhaupt nur einfache Soldaten. Die höheren Militärs und die politischen Verantwortlichen kommen bis heute straffrei davon. Neben dem damaligen Präsidenten Uribe waren auch der ehemalige Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sowie die seit 7. August 2018 amtierende Vizepräsidentin Marta Lucía Ramírez als Verteidigungsminister verantwortlich. Die Familien der Opfer hoffen nun auf Wahrheit und Gerechtigkeit im Rahmen der Sonderjustiz für den Frieden (JEP). Der Koautor des Buchs, Omar Rojas, wurde aus Militärkreisen bedroht und musste unter Lebensgefahr Kolumbien verlassen.

http://www.marcha.org.ar/colombia-10-000-falsos-positivos-en-el-gobierno-de-uribe/

https://www.npla.de/poonal/kolumbien-nachforschungen-bringen-zehntausend-staatliche-verbrechen-unter-der-regierung-uribe-ans-licht-teil-1/

https://www.npla.de/poonal/kolumbien-studie-bringt-zehntausend-staatliche-verbrechen-unter-der-regierung-uribe-ans-licht-teil-2/

Indigene Völker Kolumbiens vom Aussterben bedroht

Gemäss einer Studie der ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) kam es im ersten Halbjahr 2018 zu 4544 Menschenrechtsverletzungen gegen Angehörige indigener Völker in Kolumbien. 2017 wurden mindestens 39 indigene Führungspersonen ermordet, diese Zahl dürfte 2018 deutlich überschritten werden. Von den 102 indigenen Völkern sind 67 vom Aussterben bedroht, bei 31 davon steht das Verschwinden sogar unmittelbar bevor.

Die Politik reagiert kaum auf die die Gewalt und Drohungen gegenüber indigenen KolumbianerInnen. Deswegen lanciert ONIC zusammen mit der Studie einen Aufruf an die staatlichen Instituationen die Menschenrechte der indigenen Völker und Gemeinschaften zu respektieren und diese vor Gewalt zu schützen. Zudem verpflichtet das Verfassungsgericht den kolumbianischen Staat, die Rechte indigener Gemeinschaften bei der Ausbeutung von Rohstoffen in ihren Reservaten zu schützen und insbesondere den indigenen Völkern heilige Stätten zu respektieren.

http://www.resumenlatinoamericano.org/2018/07/09/colombia-66-de-los-pueblos-indigenas-esta-a-punto-de-desaparecer/

http://www.onic.org.co/noticias/70-destacadas/2447-onic-denuncia-la-continua-y-sistematica-violacion-de-los-derechos-humanos-y-el-exterminio-fisico-y-cultural-contra-los-pueblos-indigenas-de-colombia

https://www.elespectador.com/noticias/judicial/quienes-realicen-proyectos-extractivos-deben-respetar-zonas-sagradas-articulo-800045

IV.  Tipps und Hinweise

Filmvorführung: La buena vida (Das gute Leben)

Der inspirierende Kampf für ein Leben ohne Kohle gegen den Schweizer Konzern Glencore in Kolumbien

Film und Diskussion am Donnerstag, 6. September 2018, 19:30 Uhr im Kipferhaus Hinterkappelen

Weitere Informationen: www.askonline.ch/veranstaltungen

Veranstaltungsflyer: http://www.askonline.ch/fileadmin/user_upload/documents/Veranstaltungen/2018.09.06_La_buena_vida.pdf

2x Soli Pub Quiz zu Kolumbien der ask! Regionalgruppe Bern

Gleich zweimal habt ihr die Gelegenheit, euer Wissen zu Kolumbien an einem Pub Quiz unter Beweis zu stellen und zu erweitern. Denn Kolumbien ist so viel mehr als Salsa, Shakira, Drogenkartelle oder neuste Traumdestination für Reisehungrige.

Im Rahmen der regelmässig stattfindenden Pub Quiz Abende in der Marta Bar und in der Barbière führt die Regiogruppe Bern der ask! mit einem Kolumbien Quiz durch den Abend. Dazu könnt ihr köstliche kolumbianische Empanadas und eine Agua de Panela geniessen.

Am Dienstag, 25. September 2018 ab 20 Uhr im Café Martha, Kramgasse 8, 3011 Bern

Reservation ab 18. September 2018 an info@cafemarta.ch

Die esten zwei Teams à vier Personen, die sich über kommunikation@askonline.ch anmelden, haben einen Tisch aufsicher!

Weitere Informationen: https://www.cafemarta.ch/musik/pubquiz/

Am Montag, 1. Oktober 2018 ab 20 Uhr im Barbière, Breitenrainplatz 40, 3014 Bern

Kolumbianisches Essen ab 19 Uhr, Tische können nicht im Voraus reserviert werden. Früh da sein lohnt sich !

Weitere Informationen: http://www.barbiere-bern.ch/

Vortragsreihe Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden der Kohlemine El Cerrejón in Kolumbien im Kontext der Konzernverantwortungsinitiative (KOVI)

Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) hat zwei Gäste aus Kolumbien für eine Vortragsreise Ende Oktober 2018 eingeladen. Samuel Arregocés, Sprecher der afrokolumbianischen Gemeinde Tabaco und Jenny Paola Ortiz von der NGO CINEP erzählen von der schwierigen Alltagssituation der betroffenen Gemeinschaften. Sie berichten über Menschenrechtsverletzungen und die Umweltverschmutzung durch die Kohlemine El Cerrejón im Departement Guajira, die zu 33 Prozent Glencore gehört.

Zum Thema:

Über das Recht auf Wasser und auf eine saubere Umwelt in der Bergbauzone der Guajira: http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/el-cerrejon-und-xstrata/umweltstudie-indepaz/

Weiterhin viele ungelöste Probleme und Konflikte in den Gemeinschaften im Einflussbereich der Mine El Cerrejón: http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/el-cerrejon-und-xstrata/weitere-konflikte-im-umfeld-von-cerrejon/

Vorläufige Veranstaltungsdaten: (Ort und Zeit werden sobald wie möglich mitgeteilt)

Montag, 22. Oktober 2018: Biel/Bienne

Dienstag, 23. Oktober 2018: Bern

Donnerstag, 25. Oktober 2018: Winterthur

Dienstag, 30. Oktober 2018: Schaffhausen

Mittwoch, 31. Oktober 2018: Luzern

Brunch & ColombJass: Brunch und Soli-Jass- und Tichuturnier für Kolumbien

Die Jubiläumsveranstaltungen der ask! sind vorbei, aber unser jährliches Jassturnier steht vor der Tür. Dieses Jahr kann statt gejasst auch Tichu gespielt werden.

Sonntag, 18. November 2017, Brunch ab 10.00 Uhr, Turnier 12.30-17.30 Uhr;
aki Bern, Alpeneggstrasse 5, 3012 Bern (Länggasse)

Preis: 50 CHF für Brunch und Turnier (25 CHF nur Brunch; 30 CHF nur Spielturnier)

Ertrag zugunsten der Friedens- und Menschenrechtsarbeit der ask! Tolle Preise zu gewinnen!

Anmeldung: region.bern@askonline.ch, für Brunch bis 15. November, für Turnier empfohlen

Weitere Informationen: http://www.askonline.ch/veranstaltungen/

Ihr Vermächtnis für die ask!

Mit einem Legat oder einer Erbschaft zugunsten der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) engagieren Sie sich über ihr Leben hinaus für Frieden und Menschenrechte in Kolumbien. Mit Ihrer Unterstützung verleiht die ask! der kolumbianischen Zivilgesellschaft eine Stimme und leistet unabhängig von politischen Parteien oder Bewegungen Informations- und Lobbyarbeit. Dank Ihrer Unterstützung können wir uns für von Schweizer Unternehmen in Kolumbien betroffene KleinbäuerInnen sowie Indigene und Afrokolumbianische Gemeinschaften einsetzen. Zudem unterstützen Sie die kolumbianische Zivilbevölkerung beim Aufbau eines Friedens von Unten.

Weitere Informationen: http://www.askonline.ch/aktiv-werden/ihr-vermaechtnis-fuer-die-ask/

V.     Lesenswerte Artikel

–       Die Kehrseite des Kohleabbaus in Kolumbien: https://www.youtube.com/watch?v=QQOdOWtKEQk (Video)

–       „Sie bringen uns um!“: die Morde an sozialen Führungspersonen erreichen 2018 einen neuen Höhepunkt: https://www.youtube.com/watch?v=IJOKfMaMh3w (Video)

–       Wie sich junge Menschen für den Frieden engagieren: https://ze.tt/wie-sich-junge-menschen-in-kolumbien-fuer-den-frieden-engagieren/

–       Die Zusammenarbeit der Viehzüchter mit den Paramilitärs: https://www.razonpublica.com/index.php/econom-y-sociedad-temas-29/11256-fedegan-y-el-conflicto-armado.html

–       In 20 Jahren werden auch die letzten Gletscher Kolumbiens verschwunden sein: https://razonpublica.com/index.php/econom-y-sociedad-temas-29/11273-glaciares-colombianos-m%C3%A1s-que-monta%C3%B1as-con-hielo.html

–       Die juristische Immunität internationaler Konzerne in Kolumbien: http://www.resumenlatinoamericano.org/2018/07/27/las-multinacionales-entre-los-intocables-del-conflicto-armado-y-social-en-colombia/

 

 

Redaktion: Fabian Dreher