Konflikte um Präsenz von Kleinbäuer*innen in Nationalparks

Von Stephan Suhner, ask! Schweiz

Kleinbauern aus den Gemeinden La Macarena (Meta), San Vicente del Caguán, El Doncello und Cartagena del Chairá (Caquetá) protestierten in den Hauptorten und verlangen die Präsenz der Regierung, um Lösungen für die Grundbesitzproblematik auszuhandeln. 1200 Bauern versammelten sich in der Region San Juan de Lozada im Dreieck zwischen Meta, Caquetá und Guaviare und drohten mit einem Zivilstreik, wenn die Regierung nicht bis zum 16. März einen Dialog mit ihnen starte. Hintergrund des Konfliktes ist die Anordnung der Regierung, dass Tausende von Personen aus den Nationalparks rausgehen müssen, wo sie teilweise seit 50 Jahren leben und ihre Fincas aufgebaut haben. Die Kontroverse um die Campesinos in den Nationalparks verschärfte sich am 23. Februar 2020, als Bilder zeigten, wie Hunderte von Hektaren in den Nationalparks Tinigua und Macarena brannten. Polizei, Armee, die Staatsanwaltschaft und die Nationale Parkbehörde führten Operationen durch, um die Kleinbauern aus den Parks zu vertreiben. 12 Campesinos wurden auch verhaftet und nach Villavicencio und San José del Guaviare gebracht, wo ihnen Prozesse eröffnet wurden, danach wurden sie bedingt freigelassen. Es wurde ihnen verboten, auf das Land zurückzukehren, auf dem sie teilweise seit 50 Jahren leben.

Die Kleinbauern sind mit der Geduld am Ende und verlangen ein Treffen mit der Regierungsspitze, keine Gespräche mit untergeordneten Funktionären und reinen Nachrichtenüberbringern ohne Entscheidungskompetenz. Die Proteste laufen unter dem Slogan „Für die Verteidigung des Territorium – Parks mit Campesinos“. Sie fordern von der Regierung eine Lösung für die Tausenden von Kleinbauern, von denen viele seit vielen Jahren dort siedeln, wo später Nationalparks eingerichtet wurden. Vertreter der Kleinbauernvereinigung Asociación Campesina y Ambiental de Lozada – Guayabero (ASCAL-G) wehren sich auch dagegen, als die Hauptschuldigen an der Abholzung dargestellt zu werden. Zwar würden die Campesinos 10, 15 Hektaren für den Hof abholzen, aber die grossen Rodungen würden von Spekulanten vorgenommen, um sich brachliegendes Staatsland (baldíos) anzueignen für industrielle Projekte, Monokulturen oder gar illegale Pflanzungen. Zudem gibt es in den Nationalparks Erdölkonzessionen. Im Nationalpark Cordillera de los Picachos soll beispielsweise eine Pipeline durchgeführt werden, um Erdöl vom Süden des Meta nach Buenaventura zu transportieren. Zudem gibt es Umweltlizenzen für 20 in den Parks geplante Erdölförderstellen.[1]

Momentan sind die Protestmärsche friedlich und die Campesinos verbleiben in Dauerversammlung bis es zu Verhandlungen kommt. Die Kleinbauern wollen faire Lösungen und keine weiteren Vertreibungsaktionen und Übergriffe auf die Bevölkerung, wie Ronaldo Echeverry von der Asociación Campesina del Río Guayabero (Asocatragua) betont. Hinzu kommt, dass die Kleinbauern und –bäuerinnen auch durch Operationen der Antidrogenpolizei verfolgt werden, wie beispielsweise am 27. Februar, als von einem Helikopter aus auf 3 Jugendliche geschossen wurde, angeblich als Antwort auf einen Beschuss des Helikopters. Soziale Führungspersonen beklagen, dass falsche Gerüchte über angebliche grosse Kokapflanzungen in Umlauf gesetzt werden, und dass sie immer wieder Opfer von Glyphosatbesprühungen geworden sind. Die betroffenen Kleinbauern beklagen, dass sie von der Regierung keine Unterstützung bekommen um andere Alternativen aufzubauen, und dass sie deshalb immer wieder ein Stück Wald roden, um davon leben zu können. Sie verlangen Unterstützung, um gleichzeitig produzieren und schützen zu können, um die Ressourcen des Waldes zu nutzen, ohne ihn zu zerstören. Die Kleinbauernbewegung wolle ja auch keine Rodungen, aber sie brauchen Alternativen, oder eine Umsiedlung auf andere produktive Böden ausserhalb der Nationalparks. Verschiedene KleinbauernführerInnen äusserten allerdings auch…

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