Schrecken, Tod und Gewalt nehmen zu

FRIEDENSGEMEINDE SAN JOSÉ DE APARTADÓ

Dringender Aufruf aus der Friedensgemeinde San José de Apartadó in Kolumbien

Die Aktionen der Gewalt gleichen traurigerweise denen, die wir schon so oft beklagen mussten. Das Schlimmste ist die völlige Nichtbeachtung seitens des Staates, der nichts unternimmt, um den Vormarsch und das Blutvergießen durch die Paramilitärs zu verhindern. Die nationale und lokale Regierung sowie die Militärkräfte bezeichnen uns nur als Lügner, Terroristen. Denn alles scheint nach außen ruhig zu sein. Aber es ist die Ruhe des Todes und der Gräber, der Angst und des Schweigens. Wir jedoch durchbrechen diese Mauer und klagen folgende Taten an:

– Am 14. November um 15 Uhr wurde das Mitglied unserer Gemeinde Gilberto Graciano im Dorf Mulatos Opfer einer Antipersonenmine bei der Suche nach seinen Schweinen. Am gleichen Ort starb durch eine Minenexplosion am 3. August Aida Luz. – Jede Woche verbreitet “Zamir” – ein berüchtigter Paramilitär über alle lokalen Radiosender Lügen und Verleumdungen über unsere Gemeinde, offensichtlich eine von der Militärbrigade XVII unterstützte Aktion, ohne dass der Staat etwas gegen diese Person unternimmt, der bekannt ist wegen vieler Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

–          Am 16. November gegen 10 Uhr wurde auf dem Weg von San José nach Apartadó Wilmer Tuberquia von 2 Männern in Zivil angehalten, darunter Wilfer Higuita. Sie kamen per Motorrad und bewaffnet und sagten zu Wilmer, dass sie eine Liste hätten von Personen, die getötet werden sollten, darunter war der Name von Reynaldo Areyza. Dieser hatte es abgelehnt, mit dem Coronel Rojas vom Militär zusammen zu arbeiten, um die Gemeinde zu vernichten.

–          Am 21. und 22. November de noviembre hielten die Paramilitärs Versammlungen ab in den Dörfern Batata und Murmullo. Sie teilten der Bevölkerung mit, alle müssten bei ihnen einen Passierschein beantragen bis Dezember. Wer danach diesen Passierschein nicht hätte, würde umgebracht. Die Versammlung wurde unter den Augen der Polizei und des Militärs abgehalten. Die Paramilitärs haben dort ihren Stützpunkt.

–          Am 23. November wurde um 22 Uhr Dairo de Jesús Rodríguez ermordet. Er befand sich in seinem Billardlokal, das er in San José besitzt. Dort haben sie ihm einfach den Kopf abgeschlagen.

–          Am 24. November hielten die Paramilitärs um 10 Uhr im Weiler Nueva Antioquia eine Versammlung mit der Bevölkerung ab und erklärten, dass sie versucht hätten, ein Abkommen mit der Guerilla zu schließen. Da dies nicht zustande gekommen sei, würden sie nun jeden töten, der die Guerilla unterstütze Alle Leute müssten nun einen Passierschein mit sich führen mit Angaben, wohin er/sie gehen will, mit Hausadresse und Angaben über ihre Familienangehörigen. Wer diesen Passierschein nicht bei sich habe, müss damit rechnen, umgebracht zu werden. Die Paramilitärs machten den Versammelten eindeutig klar, dass sie die Friedensgemeinde vernichten wollen. In Nueva Antioquia besitzen sowohl die Paramilitärs als auch die Polizei und das Militär Stützpunkte, wogegen wir schon seit Jahren Einspruch erhoben haben.

–          am 25. November wurde um 13 Uhr Rodrigo Rodríguez von Elkin Tuberquia, einem Paramilitär, angerufen, der ihm $ 400.000 pesos anbot, wenn er bereit sei, Informationen über die Gemeinde, insbesondere über Eduardo (dem Leiter) zu liefern, um letzteren umbringen zu können. Elkin Tuberquia hat schon gute Dienste getan, um Lügen zu verbreiten und das Massaker vom 21. Februar 2005 vorzubereiten. Er ist nie dafür vom Gericht belangt worden. Die Militärbrigade behauptet, dass sie nicht weiss, wo er sich befindet und dass er wahrscheinlich nicht mehr lebt.

–          Am 29. November um 15 Uhr wurde Luis Arnelio Zapata Montoya ermordet, der in La Antena lebte. An diesem Tag kamen schon früh 2 bewaffnete Männer auf dem Motorrad von Apartadó nach San José, um sich nach verschiedenen Personen zu erkundigen. Luis befand sich in einem offenen Bus auf dem Weg zwischen San José und Apartadó. Die beiden Männer mit dem Motorrad folgten dem Bus, hielten ihn schließlich an, wollten Luis herausholen, und als dieser sich wehrte, ermordeten sie ihn im Bus.
Alle diese Schilderungen zeigen unsere verzweifelte Situation, in der wir leben. Das Schlimmste sind die Todesopfer, die wir erleiden müssen ohne dass die Täter verfolgt und bestraft werden. Wir wissen, dass sie uns ausrotten wollen, aber ihre Anstrengungen sind umsonst, denn wir glauben an das Leben, an die Gewaltfreiheit und den Frieden an eine andere Welt , und dieser Glaube kann niemals ausgerottet werden Wir vertrauen auf die nationale und internationale Solidarität

3. Dezember 2009
FRIEDENSGEMEINDE SAN JOSÉ DE APARTADÓ

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