Erklärung deutscher Menschenrechtsorganisationen nach dem Referendum: „Frieden und eine Verhandlungslösung in Kolumbien sind möglich, wenn sich alle gesellschaftlichen Kräfte dafür einsetzen. Unser Platz bleibt an der Seite derer, die am meisten vom bewaffneten Konflikt betroffen sind.

Berlin, 07.10.2016
Eine hauchdünne Mehrheit von 50,21% der kolumbianischen Wahlbevölkerung hat sich am 02. Oktober gegen das Friedensabkommen mit den FARC ausgesprochen. Während insgesamt 49,78% der Bevölkerung dem Abkommen zugestimmt haben, so lag der Anteil des „Si“ in besonders vom Konflikt betroffenen Gegenden sehr hoch, d.h. im Department Chocó bei über 79%, in der Ortschaft Toribío (Cauca) bei über 84%, in San Vicente del Cagúan (Caquetá) bei über 62%. Insgesamt sind 62% der Wahlberechtigten nicht zur Wahl gegangen, was als Desinteresse und Misstrauen interpretiert werden kann.
Wir begrüßen ausdrücklich, dass sowohl Regierung, als auch Vertreter*innen der FARC und der Verfechter des „Nein“ zum Abkommen beim Plebiszit erklärt haben, dass sie den Frieden und keine Wiederaufnahme der Kämpfe wollen. Ebenso begrüßen wir die Verlängerung des Waffenstillstandes um zunächst einen Monat.
Die Regionen mit vielen Opfern, aber auch Opfer- und Menschenrechtsorganisationen haben dem Abkommen zugestimmt und drängen nun auf die Fortsetzung des Friedensprozesses. Ebenso haben jüngst Studierende, Indigene und andere Sektoren bei Demonstrationen ihrem Verlangen nach Frieden Ausdruck verliehen. Die unterzeichnenden Organisationen haben bei ihrer Zusammenarbeit mit Kolumbien seit vielen Jahren die Opfer in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt und erklären hiermit, dass wir auch weiter an ihrer Seite sind und deren legitime Forderung nach einer friedlichen, politischen Lösung unterstützen.
Mit der Unterzeichnung des über mehr als vier Jahre zwischen Regierung und FARC ausgehandelten Abkommens war Kolumbien einem historischen Schritt zum Frieden sehr nah. Diese Chance darf nun nicht verspielt werden. Wir rufen alle Akteure – insbesondere die Verfechter des „Nein“ zum Abkommen beim Plebiszit, aber auch Regierung und FARC-Guerilla – dazu auf, ihrer historischen Verantwortung gegenüber den Opfern in Kolumbien nun gerecht zu werden und eine breit verankerte politische Lösung für die Situation zu finden. In der aktuellen fragilen Situation müssen Besonnenheit und konstruktive Vorschläge aller Seiten dafür sorgen, dass die Waffen dauerhaft schweigen.
Wir rufen die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft dazu auf, dafür alle zur Verfügung stehende mögliche Unterstützung zu geben.

Erklärung auf deutsch zum download: 161007-erklaerung-nach-plebiszit_final

Declaración en español :  161007-erklaerung-nach-plebiszit_-esp-final