ask! Illegale Abhöraktionen des Militärgeheimdienstes aufgedeckt

Die Konstruktion des internen Feindes. Artikel von Lisa Alvarado, ask! Schweiz

Mitte Januar publizierte die Zeitung Semana einen Artikel [1], in dem sie illegale Abhöraktionen, welche das Militär durchgeführt hatte, ans Licht brachte. Whistleblower des militärischen Geheimdienstes haben enthüllt, dass die Zielpersonen der Spionage Journalisten, Politiker der Opposition und Richter des obersten Gerichtshofes waren.

Ans Licht kam das Ganze weil eine Kommission des Obersten Gerichtshofes mit fast 50 Polizisten der Generalstaatsanwaltschaft am 18. Dezember 2019 die Räume des Bataillons für Cyberintelligenz (Bacib) des Militärs in Facatativá nach Beweisen für die Abhöraktionen durchsuchte. Anscheinend nahm die Durchsuchung, die fast 16 Stunden dauerte, filmreife Ausmasse an. Während Justizbeamte die Büros durchsuchten, versuchten nervöse Militärbeamte, möglichst viel Information zu verstecken oder zu vernichten. Die Verantwortlichen stritten die illegalen Abhöraktionen ab, und versicherten, sie hätten gar keine Software, um Telefonate, Emails oder Whatsappnachrichten abzuhören. Allerdings schreibt Semana, dass ihnen ein Vertrag des letzten Jahres vorliegt, der beweist, dass das Kommando zur Unterstützung des militärischen Nachrichtendienstes (Caimi) eine Plattform namens „Hombre Invisible“ von einer spanischen Firma gekauft hat, welches genau diese Aktionen möglich macht. Dies bestätigte auch ein Militärbeamter, welcher damit arbeitete. Weiter benutzte das Militär anscheinend auch mobile Abhörgeräte, sogenannte StingRays. Diese Geräte können z.B. in einem Kofferraum versteckt werden. Indem sie eine Telefonantenne imitieren, können Handyanrufe abgefangen und abgehört werden.
Ironischerweise wurde die Durchsuchungsoperation von der Richterin Cristina Lombana geleitet, die wie sich dann herausstellte, selber Ziel der heimlichen Abhöraktionen war. Der Militärbeamte, der für die Abhörung von Lombana verantwortlich war, erzählte, dass sie den Befehl erhielten, bestimmte Personen zu überwachen. Als sie merkten, um wen es sich handelte, und nachfragten, ob das wirklich die richtige Person sei, hiess es, ja sie sollten weitermachen und die Informationen direkt an einen bekannten Politiker des Centro Democratico (den Namen publizierte Semana nicht) weiterleiten. Allerdings war Lombana bis Mai 2019 die verantwortliche Richterin für den Fall gegen Alvaro Uribe wegen.

vollständigen Artikel lesen:
https://www.askonline.ch/themen/menschenrechte/die-konstruktion-des-internen-feindes-illegale-abhoeraktionen-des-militaergeheimdienstes-aufgedeckt

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