Urgent Action Menschenrechtsorganisationen in Barrancabermeja bedroht

amnesty international

UA-014/2012-1 Index: AMR 23/006/2012 06. Februar 2012

WILFRAN CADENA, Vizepräsident der Menschenrechtsorganisation CREDHOS
Herr DAVID RAVELO CRESPO und
Frau MARÍA RAVELO GRIMALDO, Mitglieder von CREDHOS
ANNY LIZETH VERA RAVELO, Tochter von María Ravelo

Mitglieder der Menschenrechtsorganisation CREDHOS in Barrancabermeja haben weitere Morddrohungen von Paramilitärs erhalten.

Mitglieder der Menschenrechtsorganisation CREDHOS in Barrancabermeja haben weitere Morddrohungen von Paramilitärs erhalten.

Als Wilfran Cadena, Vizepräsident der Menschenrechtsorganisation Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (CREDHOS), am 1. Februar im Büro der Organisation in Barrancabermeja im Departamento Santander ankam, fand er dort mehrere Flugblätter vor, die man dort hinterlassen hatte. Die Flugblätter waren von der paramilitärischen Gruppierung „Comandos Urbanos“ unterzeichnet und mit dem Bild zweier Toten-schädel versehen worden. Auf diesen Flugblättern bezeichneten die Paramilitärs CREDHOS-Mitglieder als Guerillakämpfer und erklärten, sie wollen die Stadt von solchen Guerillakämpfern säubern.

Auf dem Flugblatt tauchen die Namen der beiden CREDHOS-Mitglieder David Ravelo Crespo und seiner Cousine María Ravelo Grimaldo auf. Außerdem richtet es sich an die Kleinbauernorganisation Asociación Campesina del Valle del Río Cimitarra (ACVC). Wörtlich heißt es: „Du Cousine eines Gonorrhö-Guerilleros, dieses David Ravelo, wir wissen, dass du durch die Stadtviertel ziehst, um Leute für diesen Menschenrechtsscheiß zu rekrutieren. María Ravelo, die Dinge werden jeden Moment eine andere Wendung nehmen, wir wissen von deinen Bildern und dass du mit den Hurensöhnen von der ACVC verkehrst“ („usted … la prima del gonorrea guerrillero ese del David Ravelo usted anda por los barrios de barranca [sic] invitando a gente a meterse en esa mierda de los derechos humanos … yen [sic] cualquier momento señora maría [sic] Ravelo le va a caer el tablón … sabemos de sus fotos y de sus compañeros perros hijueputas de la ACVC“). Zwei bewaffnete Männer näherten sich am 1. Februar Anny Lizeth Vera Ravelo, der Tochter von María Ravelo. Sie gaben ihr ein Flugblatt und sagten, ihre Mutter solle das „Spiel“ beenden.
EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit von María Ravelo Grimaldo sowie ihrer Familie und anderen CREDHOS- und ACVC-Mitgliedern und fordere Sie daher auf, in Absprache mit den Betroffenen Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die deren Sicherheit garantieren.

Ich fordere Sie auf, eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Morddrohungen gegen María Ravelo Grimaldo und weitere CREDHOS-Mitglieder einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Ich möchte Sie außerdem daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, MenschenrechtlerInnen zu schützen.

Ich erwarte, dass paramilitärische Gruppen unverzüglich aufgelöst werden und die Sicherheitskräfte ihre Verbindungen zu solchen Gruppen abbrechen. Zu einem solchen Schritt, den UN-Gremien und andere zwischenstaatliche Organisationen angemahnt haben, hat sich die Regierung erklärtermaßen verpflichtet.

APPELLE AN

STAATSPRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño, Carrera 8. No. 7-26, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

VERTEIDIGUNGSMINISTER
Señor Juan Carlos Pinzón
Ministerio Del Defensa, Carrera 54. No. 26-29, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister Pinzón / Estimado Sr. Ministro Pinzón / Sehr geehrter Herr Minister)

KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
CREDHOS
Av. 52 N° 25-49
Barrancabermeja
Santander
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Fax: (00 57) 1 266 1003

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. März 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN

CREDHOS ist eine regional tätige Menschenrechtsorganisation, die sich in der Gegend von Barrancabermejo und in Magdalena Medio dafür einsetzt, dass Menschenrechtsverletzungen geahndet werden. In den zurückliegenden Jahren sind CREDHOS-AktivistInnen immer wieder mit dem Tod bedroht worden. Der CREDHOS-Mitarbeiter David Ravelo Crespo befindet sich seit September 2010 unter der Anschuldigung in Haft, Verbindungen zu Guerillagruppen zu unterhalten.

Menschenrechtsorganisationen vermuten hinter der Anklage gegen David Ravelo Crespo den Versuch, CREDHOS zum Schweigen zu bringen und das Ansehen der Organisation zu diskreditieren. Die Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen haben in der Vergangenheit Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften immer wieder als Kollaborateure oder Unterstützer der Guerilla gebrandmarkt und ihre Mitglieder bedroht, verschleppt oder getötet. Auch Guerillagruppierungen haben MenschenrechtsverteidigerInnen und GewerkschafterInnen bedroht und getötet, weil sie diese verdächtigten, mit dem Feind zu kooperieren. Die aktuellen Morddrohungen gegen CREDHOS erfolgten kurz nach der Teilnahme der Organisation an der Gedenkfeier anlässlich des 23. Jahrestags des so genannten „Massakers von La Rochela“. Am 18. Januar 1989 waren dabei zwölf JustizmitarbeiterInnen von Paramilitärs, die mit den Streitkräften zusammenarbeiteten, im Departamento Santander getötet worden.

Abelardo Sánchez Serrano und andere CREDHOS-Mitglieder erhielten in diesem Zusammenhang Morddrohungen. Am 13. Januar war Abelardo Sánchez Serrano auf dem Weg zum CREDHOS-Büro, als sich ihm zwei Männer auf einem Motorrad näherten. Einer der Männer richtete eine Pistole auf ihn und sagte ihm, er habe 72 Stunden um die Stadt zu verlassen.

María Ravelo Grimaldo ist Vorsitzende der Niederlassung der Menschenrechtsorganisation Asociación Nacional de Ayuda Solidaria (ANDAS), in Barrancabermeja. ANDAS unterstützt Vertriebene. María Ravelo Grimaldo arbeitete in den vergangenen Monaten mit Vertriebenen in der Gemeinde Villa Dignidad im Verwaltungsbezirk Barrancabermeja. MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich für vertriebene Menschen einsetzen, werden immer wieder von Sicherheitskräften und Paramilitärs, die wiederum von den Sicherheitskräften unterstützt werden, mit dem Tode bedroht oder anderen schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.

Im Laufe des bewaffneten innerstaatlichen Konfliktes in Kolumbien, der sich schon über vier Jahrzehnte hinzieht, haben die Sicherheitskräfte systematisch zahlreiche Menschen außergerichtlich hingerichtet. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte ist Teil ihrer Strategie der Aufstandsbekämpfung. Die Generalstaatsanwaltschaft Kolumbiens untersucht mehr als 2000 Fälle außergerichtlicher Hinrichtungen, für welche die Sicherheitskräfte verantwortlich sein sollen. In Kolumbien sind immer wieder Menschen, die Gerechtigkeit für die Opfer von außergerichtlichen Hinrichtungen eingefordert haben, von den Sicherheitskräften oder ihren paramilitärischen Verbündeten mit dem Tod bedroht oder ermordet worden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

Express concern for the safety of María Ravelo Grimaldo, her family and other members of CREDHOS and ACVC, and call on the authorities to protect them, in line with their wishes.

Urge the Colombian authorities to order full and impartial investigations into the death threats against María Ravelo Grimaldo and other members of CREDHOS; to publish the results and bring those responsible to justice.

Remind the Colombian authorities to fulfil their obligations regarding the protections of human rights defenders as specified in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders, to which Colombia is a state party.

Urge the authorities to take immediate action to dismantle paramilitary groups and break their links with the security forces, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations