Kolumbien-aktuell No. 536 und Monatsbericht | April 2014

Liebe Leserinnen und Leser

Immer wieder wird von Übergangsjustiz gesprochen. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Und was heisst das im konkreten Fall von Kolumbien? Wenig geredet wird hingegen über Säureangriffe auf Menschen in Kolumbien. Doch die Fälle sind nicht selten, und plötzlich erlangte das Thema vergangenen Monat Medienaufmerksamkeit.

Solidarische Grüsse aus der Redaktion!

Artikel

Zunahme der Säureangriffe in Kolumbien

21 Säureangriffe, das ist die Bilanz der ersten Monate im Jahr 2014. Dass in Kolumbien Frauen und Männer vermehrt Opfer von Säureattacken werden, war bis anhin ein in der Öffentlichkeit selten diskutiertes Gesellschaftsproblem, und dennoch weit verbreitet. Nachdem Familie und Bekannte des Opfers einer Säureattacke am vergangenen 28. März eine Medienoffensive übers Internet lanciert haben, fällt plötzlich Aufmerksamkeit auf ein dunkles Kapitel der kolumbianischen Gesellschaft.

(Von Regula Fahrländer)

http://www.askonline.ch/themen/menschenrechte/analysen-und-berichte-der-ask/zunahme-der-saeureangriffe-in-kolumbien/

Blutige Kohle für europäische Kraftwerke

Der Kohleabbau in Kolumbien und der Import dieser Kohle in Europa sorgen weiterhin in breiten Kreisen für Kontroversen. U.a. kämpfen dDeutsche Kohleaktivisten kämpfen gegen Importe von kolumbianischer Kohle für deutsche Kraftwerke, Kohle die unter Missachtung von Umweltvorschriften und in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen gewonnen wird. So treten Vertreter von NGOs und Bürgerbewegungen an verschiedenen Aktionärsversammlungen deutscher Energiekonzerne auf und fordern die Energieversorger auf, keine Kohle mehr zu importieren, deren Abbau mit schweren menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Problemen verbunden ist.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/glencore-in-kolumbien/blutige-kohle-fuer-europaeische-kraftwerke/

Gewerkschaftsrechte und Freihandelsabkommen: drei Jahre unerfüllte Versprechen

Das Freihandelsabkommen zwischen Kolumbien und den USA war lange Zeit umstritten und die Ratifizierung durch den US-Kongress verzögerte sich unter anderem wegen dem mangelhaften Schutz der Gewerkschafts- und Arbeitsrechte in Kolumbien. Daher willigte Kolumbien ein, einen Aktionsplan für Arbeitsrechte (PAL Plan de Acción Laboral) auszuarbeiten, der am 7. April 2011 unterzeichnet wurde. Zum 3. Jahrestag des Inkrafttretens des PAL zogen die kolumbianischen Gewerkschaftsverbände eine kritische Bilanz.

(Von Stephan Suhner)

http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/schweizer-wirtschaftspolitik-zu-kolumbien/gewerkschaftsrechte-und-freihandelsabkommen-drei-jahre-unerfuellte-versprechen/

Cauca: Die Bauern und Bäuerinnen fordern Anerkennung ihres Status

Seit 43 Jahren wird in Kolumbien erstmals wieder eine nationale landwirtschaftliche Erhebung durchgeführt. Darin nicht spezifisch erwähnt werden erstaunlicherweise die Bauern und Bäuerinnen. Nun haben diese zur Einforderung ihrer Rechte und Anerkennung ihres Status angesetzt.

(Von Regula Fahrländer)

http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/laendliche-entwicklung-und-agrarreform/cauca-forderung-nach-anerkennung-als-bauern-und-baeuerinnen/

Monatsbericht April:  Justicia Transicional

¿„Paz y Justicia – Paz o Justicia“? Brechen wir dieses Dilemma auf Kolumbien nieder und fragen: Bedarf es Gerechtigkeit, um Kolumbien nach jahrelangen bewaffneten Konflikten und unzähligen Menschenrechtsverletzungen zu einer friedlichen Gesellschaftsordnung zu führen? Oder verhindert das Bestreben nach dieser viel eher einen nachhaltigen Friedensprozess? Die Meinungen darüber spalten sowohl den politischen wie auch den akademischen Diskurs.

(Von Laura Knöpfel)

http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/justicia-transicional/

Apropos

Erneuter Agrarstreik in ganz Kolumbien

Seit Montag, 28. April, befinden sich die Bauern und Bäuerinnen, Indigene und Afrokolumbianerinnen erneut im Streik. Ihnen zufolge wurden die Forderungen des Agrarstreiks im Juli 2013 bis heute nicht erfüllt. Dabei ging es um Massnahmen, die ihre Lebensgrundlage auch nach Einführung des Freihandelsabkommens mit den USA sichern.

Die Regierung hat im Vorfeld versucht, die Menschen vom Streiken abzuhalten. Noch bevor der Agrarstreik begonnen hatte, wurde er bereits als von der Guerilla stigmatisiert, Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón verkündete öffentlich, der Streik sei von der Guerilla organisiert worden. Der Koordinator der UNO in Kolumbien, Fabritzio Hoschild, hat dieses Vorgehen verurteilt.

Schon am ersten Tag des Streiks kam es zu drei Verletzten. Am zweiten Tag des Streiks haben nun Verhandlungen mit der Regierung begonnen. Der weitere Fortgang bleibt abzuwarten, in weniger als einem Monat sind Präsidentschaftswahlen.

http://www.semana.com/nacion/articulo/paro-agrario-2014-balance-del-primer-dia/385302-3 http://www.elespectador.com/noticias/nacional/tres-heridos-jornada-de-protestas-campesinas-articulo-489484

Der Tag der Opfer

Jeden 9. April erinnern sich die Kolumbianerinnen und Kolumbianer an die Opfer, die die Geschichte des Landes gefordert hat. Im staatlichen Departement für Opfer haben sich bis zum 1. April 2014 6‘231‘617 Opfer eingeschrieben. Ein Anteil dieser Opfer geht auf Ereignisse vor vielen Jahren zurück, aber eine grosse Anzahl von Opfer sind kürzlich erfasst worden: 233.000 Menschen im 2012 und 150’700 im 2013. Die höchste Zahl an Opfer zählt das Jahr 2002, damals waren es 673’919.

Der grösste Teil der Opfer erlitt Zwangsvertreibungen aus ruralen Gegenden, in vielen Fällen sind die TäterInnen in Kreisen von bewaffneten Folgegruppen der Paramilitärs (Bacrims) zu finden, wie etwa in Buenaventura und im Cauca. Zwar sind diese Gruppierungen nicht als Akteure im Konflikt festgehalten, aber das Verfassungsgericht hat angeordnet, dass die Opfer dennoch als solche anerkannt werden. Mehr als die Hälfte aller Opfer sind Frauen.

Im Rahmen des 9. April fanden in verschiedenen Städte des Landes Gedenkmärsche statt. In Medellin wurden an zehn unterschiedlichen Orten Blumen niedergelegt.

http://www.semana.com/nacion/multimedia/colombia-conmemora-el-dia-de-62-millones-de-victimas/383140-3

Humanitäre Zone inmitten einer Stadt

Am Sonntag, 13. April wurde in Kolumbien die erste humanitäre Zone in einer Stadt errichtet, und dies inmitten von Buenaventura, der Stadt, aus der in den letzten Monaten vor allem wegen ihrer horrenden Menschenrechtslage berichtet wurden. 800 Familien haben nun beschlossen, im Sektor Puente Nayero vom Viertel La Playita ihren Lebensraum als Espacio de Vida, Espacio Humanitario y Zona Humanitaria de protección (Raum des Lebens und des Humanitären) zu deklarieren. Ermordungen in den Strassen, Zwangsrekrutierungen von jungen Männern und sexuelle Gewalt an Frauen sollen damit abnehmen. Mit der Deklaration zu einer humanitären Zone hoffen die BewohnerInnen, eine alternative Schutzmassnahme für die zivile Bevölkerung zu finden. Jegliche bewaffnete Gruppierung, sei es von staatlicher Seite, Paramilitärs oder Aufständischen, soll der Zutritt verwehrt werden. Diese werden dazu aufgerufen, die Wünsche und Forderungen der Zivilbevölkerung zu respektieren.

http://justiciaypazcolombia.com/Por-nuestro-presente-y-futuro-de

Gabriel García Márquez verstorben

Am 17. April 2014 ist Gabriel García Márquez 87-jährig in seinem Zuhause in Mexiko verstorben. Der einzige Literaturnobelpreisträger Kolumbiens hat mit seinen Werken den Stil des Magischen Realismus in Lateinamerika wesentlich mitgeprägt. Sein Durchbruch gelang ihm 1967 mit dem Buch Hundert Jahre Einsamkeit, 1982 erhielt er den Literaturnobelpreis. Auch für den Frieden in Kolumbien hat sich García Márquez während vergangener Verhandlungen eingesetzt. Sein Bekenntnis zum Sozialismus und vor allem seine Freundschaft zu Fidel Castro haben aber auch immer wieder zu Kontroversen geführt.

http://www.elespectador.com/noticias/cultura/muere-gabriel-garcia-marquez-articulo-487482

Tipps und Hinweise

Verantwortungsvoller Bergbau – nur etwas für den Hochglanzprospekt?

Die ask! organisiert zusammen mit Multiwatch eine Veranstaltungsreihe mit Jairo Dionisio Fuentes Epiayu, Gobernador des indigenen Cabildos von Tamaquito II. Tamaquito II wurde nach einem langen Verhandlungsprozess letztes Jahr durch den Kohlekonzern Cerrejón umgesiedelt.

  • Zürich: Dienstag den 13.5.2014, 19.00 Uhr, Völkerkundemuseum Universität Zürich Pelikanstrasse 40, 8001 Zürich
  • Hausen am Albis: Montag den 19.05.2014, 20 Uhr, Katholisches Pfarreizentrum, 8915 Hausen am Albis
  • Zug: Dienstag den 20.5.2014, 19.00 Uhr, Siehbachsaal, Chamerstrasse 33, 6003 Zug
  • Bern: Mittwoch den 21.5.2014, 19.00 Uhr, Universität Bern, Raum 205, Hallerstrasse 6
  • Lausanne: Donnerstag den 22.5.2014, Ort und Zeit werden bald aufgeschaltet.

Mehr dazu: www.askonline.ch/veranstaltungen

Die unsichtbaren Wunden des Krieges

Selten ist im Zusammenhang mit dem kolumbianischen Konflikt auch von den psychischen Folgen die Rede. Die Wochenzeitschrift Semana behandelt in ihrem Spezial genau das: http://www.semana.com/especiales/conflicto-salud-mental/index.html

Brésil 2014, des goals contre l’injustice !

Campagne de sensibilisation pour un autre foot. Tournée en Suisse du 6 au 15 mai.

Avec Sergio Haddad, organisateur brésilien du Mondial de Football de Rue et Célia Alldridge, coordinatrice d’E-CHANGER au Brésil.

www.askonline.ch/veranstaltungen

Certificate of Advanced Studies Civilian Peacebuilding und Master of Advanced Studies (MAS) in Peace & Conflict Transformation

Zum dritten Mal in Folge organisiert Swisspeace ein CAS in Civilian Peacbuilding und neu einen Masterstudiengang in Frieden und Konflikttransformation. Bewerbungsfrist ist der 30. Juni 2014. http://academy.swisspeace.ch/cas-courses/civilian-peacebuilding/aim-target-audience/

Redaktion: Regula Fahrländer

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