Kolumbien-aktuell No. 547 und Monatsbericht | April 2015

Liebe Leserinnen und Leser

Unsere Kampagne zu Glencores Nachhaltigkeit läuft noch immer. Anfangs Mai finden öffentliche Veranstaltungen in Genf, Freiburg, Obfelden und Basel statt. Mehr Details dazu unter http://www.askonline.ch/.

Solidarische Grüsse aus der Redaktion!

I.  Artikel

Friedensmarsch zeigt Polarisierung auf

Hunderttausende Kolumbianerinnen und Kolumbianer gingen auch dieses Jahr am 9. April auf die Strasse, um für Frieden zu marschieren und den Opfern des Krieges zu gedenken. Zum Marsch aufgerufen haben die Linke und Präsident Santos, ist in den Medien zu lesen. Aber nicht nur Einheit, sondern auch Polarisierung wird am Gedenktag sichtbar.

(Von Regula Fahrländer)

http://www.askonline.ch/themen/friedensfoerderung/frieden-von-unten/friedensmarsch-zeigt-polarisierung-auf/

Unsere Kampagne in der Schweiz: Glencores Nachhaltigkeit – ein Schattenbericht

Am 20. April 2015 veröffentlichte die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien ask! zusammen mit ihrer kolumbianischen Partnerorganisation Pensamiento y Acción Social PAS einen Schattenbericht über die Nachhaltigkeit von Glencores Geschäftstätigkeit in Kolumbien. Dieser Schattenbericht ist das Ergebnis von vier Jahren Recherche und der intensiven Begleitung verschiedener Gemeinschaften und Organisationen im Einflussbereich Glencores.

http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/glencore-in-kolumbien/schattenbericht-zu-glencores-nachhaltigkeit/

 

II.   Monatsbericht: „Wir wollen keine Privilegien. Wir wollen mithelfen das Land zu verändern.“

Die kolumbianischen Friedensverhandlungen werden in Bezug auf den Versuch, die Opfer möglichst direkt in die Verhandlungen einzubeziehen oft als exemplarisch bezeichnet. Dieser Aussage stimmt Diego Gómez, langjähriger kolumbianischer Politaktivist, so nicht zu. Der Einbezug der Opfer gehe tatsächlich nicht über punktuelle Beiträge hinaus, während eigentlich die Zivilgesellschaft in Havanna am Verhandlungstisch sitzen sollte, denn nur diese habe die Kraft, das Land zu einem nachhaltigen Frieden zu führen. Nichtdestotrotz engagiert sich Diego von der Schweiz aus für ein anderes Kolumbien und dafür, dass auch die Stimmen aus dem Exil Gehör finden.

(Von Ann-Seline Fankhauser)

http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/wir-wollen-mithelfen-das-land-zu-veraendern-und-uns-fuer-bessere-bedingungen-im-exil-einsetzen/

III. Apropos

Friedensdialog erneut in Krise

Elf getötete Militärangehörige und zwei tote Aufständische ist das Resultat einer militärischen Auseinandersetzung, zu der es in der Nacht vom 14. April 2015 in der Gemeinde Buenos Aires im Cauca gekommen ist. Beim genauen Tathergang unterscheiden sich die Versionen stark.

Nachdem die FARC im Dezember die einseitige Waffenruhe ausgerufen hat, und auch von Staatsseite erste Schritte in diese Richtung unternommen wurden, ist dieses Ereignis ein Rückschlag. Einmal mehr wird der Friedensdialog auf die Probe gestellt. Dabei ist es letztlich nebensächlich, ob es sich dabei um Selbstverteidigung, so die Aufständischen, oder um einen Hinterhalt, wie es die nationalen Streitkräfte betonen, handelt. Umgehend hat Präsident Santos die Wiederaufnahme der Luftangriffe angeordnet. Die Guerilla ihrerseits betonte die Weiterführung des einseitigen Waffenstillstands, nach wie vor unter Vorbehalt der Selbstverteidigung. Erneut ruft sie zur bilateralen Waffenruhe auf. Klar verlauten liessen beide Seiten, dass der Friedensdialog weitergehen müsse. Die Fragen dabei sind das Wie und das Wann, Santos plädierte über Twitter gar für eine Deadline. Seit einem Jahr geht es zähflüssig vorwärts am Verhandlungstisch. Nach wie vor offen ist der Punkt zur Übergangsjustiz und der Niederlegung der Waffen, und in beiden Punkten zeichnet sich nach wie vor keine Lösung ab. Für die kolumbianische Bevölkerung wird die Angelegenheit mehr und mehr zu einer Geduldsfrage.

http://www.semana.com/nacion/articulo/por-que-el-ataque-de-las-farc/424537-3

Landesweiter Streik der LehrerInnen

Neun Millionen Kinder haben in Kolumbien seit einer Woche keine Schule. Ihre LehrerInnen befinden sich im Streik. Vor einem Jahr, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, hat Präsident Santos und die damalige Erziehungsministerin María Fernanda Campo Zugeständnisse gemacht, um die LehrerInnen davon abzuhalten, auf die Strasse zu gehen. Nun stellt sich heraus, dass die Umsetzung der Forderungen komplizierter ist. Die Anliegen sind nicht neu. Es geht in erster Linie um ein neues Modell der Gehaltsskala, die Revision der Kompetenzprüfungen für LehrerInnen und eine Verbesserung der Krankenversicherung der Dozierenden. Von Staatsseiten wurden erste Angebote gemacht, doch bis anhin erscheinen diese dem kolumbianischen Verband für Bildungsangestellte FECODE nicht hinreichend, sodass sie in keine Einigung einwilligen.

http://www.semana.com/educacion/articulo/verdades-mentiras-sobre-el-paro-de-maestros/425681-3

 

Zunahme der Bedrohungslage in den ersten drei Monaten des Jahres

Zwischen Januar und März 2015 wurden in Kolumbien 295 MenschenrechtsverteidigerInnen Opfer eines Angriffs und an der friedlichen Ausübung ihrer Arbeit gehindert. Diese Zahlen wurden vom Programm Somos Defensores in ihrer trimestralen Publikation veröffentlicht.

Dem Bericht zufolge lassen sich die Angriffe wie folgt unterteilen: 249 Drohungen, 19 Ermordungen, 20 Attentate, 4 willkürliche Festnahmen, 2 Mal willkürliche Strafjustiz und einmal Informationsdiebstahl. 78% der Verbrechen geht auf paramilitärische Gruppierungen zurück, so der Bericht.

Verglichen mit demselben Zeitraum des Vorjahres bedeuten diese Zahlen eine steile Zunahme. Von 96 auf 295 sind die Angriffe insgesamt gestiegen, was einer Verdreifachung gleichkommt. Besonders zugenommen haben dabei die Bedrohungen (von 54 auf 249) und die Tötungsdelikte.

http://www.oidhaco.org/?art=2042&lang=es

Konzernverantwortungs-Initiative in der Schweiz lanciert

Katastrophale Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken in Asien oder Osteuropa, missbräuchliche Kinderarbeit bei der Kakaoproduktion in Westafrika, tödliche Emissionen in Sambia – auch Schweizer Unternehmen sind in Menschenrechtsverletzungen verwickelt.

Am 21. April haben deshalb 66 Schweizer Frauen-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen, kirchliche und gewerkschaftliche Vereinigungen sowie Aktionärsverbände die Konzernverantwortungsinitiative lanciert. Sie fordert, dass Firmen den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt verbindlich in sämtliche Geschäftsabläufe einbauen. Diese sogenannte Sorgfaltsprüfungspflicht gilt auch für die Auslandstätigkeiten von Schweizer Unternehmen. Unterschriftenbögen und weitere Information gibt es hier: http://konzern-initiative.ch/

IV.  Tipps und Hinweise

Glencores Nachhaltigkeit – eine kritische Bilanz

Die ask! und die kolumbianische NGO Pensamiento y Acción Social PAS stellen weiterhin ihren Schattenbericht zu Glencores Nachhaltigkeitsberichten vor. Dabei berichten eine Bewohnerin der Gemeinschaft El Hatillo und zwei VertreterInnen von PAS während einer Rundreise durch die Schweiz und Deutschland ihre Sicht der Dinge.

Genève, 4. Mai : Le développement durable chez Glencore – un bilan critique. Evènement public avec Peace Watch Switzerland. à 19h, UOG, Place des Grottes.

Freiburg, 5. Mai: 15 Uhr, Saal Rossier, Altes Bürgerspital, Rue de l’Hôpital 2

Obfelden, 6. Mai: 19:30 Uhr. Glencore’s Kohle. Singsaal Chilefeld.

Basel, 7. Mai: 19:30 Uhr, Pfarreisaal St. Clara, Lindenberg 8, 4058 Basel.

Mehr Information http://www.askonline.ch/home/

Ida y Vuelta – Konzert des Coro Latinoamericano de Mujeres de Berna

Freitag 8. Mai und Samstag 9, Mai, 20 Uhr, Türöffnung 19.30 Uhr. Kulinarische Spezialitäten nach dem Konzert. Eintritt 25.-. Hotel Restaurant Jardin, Militärstrasse 38, 3014 Bern

Les défis du processus de paix en Colombie

Une conférence avec le célèbre porte-parole du mouvement social Ivan Cepeda, actuellement l’une des principales figures de l’opposition de gauche en Colombie.

Samedi 9 mai 2015 à 18h à Uni Bastions, salle B101 (rue De-Candolle 5) à Genève. Après la conférence, la rencontre continue au rythme salsa avec un repas de soutien dès 20 h (à la Reluire, 45 rue de St Jean, Genève).

http://www.turpial.ch

Kolumbien, eine solidarische Kooperation für die Friedensförderung

Zusammen mit den Kolumbianerinnen Angela Ospina, Direktorin des Zentrums für psychosoziale Betreuung (CAPS) und Yomaira Mendoza, Afro-kolumbianische Bauernaktivistin aus Curvaradó sowie Samuel Bouille, Fachperson von Echanger möchten wir den Fragen nachgehen, wie die Zivilgesellschaft in Kolumbien zum Friedensprozess steht und was Frieden für sie bedeutet.

Mittwoch, 27. Mai, AKI, Alpeneggstrasse 5, Bern

18 Uhr: Apéritif, 19 Uhr Vorträge, anschliessend Konzert mit dem Trio «Tres Mundos»

http://www.askonline.ch/veranstaltungen/

Redaktion: Regula Fahrländer

 

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