Vortrag 24.06. Marburg: Interne Vertriebene

Vortrag und Diskussion mit Nora Braun (kolko e.V.)

Marburg 24.06.

Kolumbien ist ein geographisch und kulturell sehr vielfältiges Land. Aber trotz oder gerade wegen seines Reichtums herrscht dort seit Jahrzehnten ein bewaffneter Konflikt, bei dem sich Guerrillaorganisationen, das kolumbianische Militär und paramilitärische Gruppierungen bekämpfen. Eine der schlimmsten Folgen des Krieges, der vor allem auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen wird, ist die Vertreibung der Landbevölkerung. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden fast vier Millionen Menschen vertrieben. Besonders betroffen davon sind Kleinbauern, Landarbeiter, die afrokolumbianische und die indigene Bevölkerung. Die Binnenvertriebenen suchen vor allem Zuflucht in den Städten Kolumbiens. Dieser Vortrag berichtet davon, welches Leid die Vertreibungen für die Betroffenen bedeuten, und stellt die ökonomischen und politischen Interessen hinter den Vertreibungen dar. Wie gezeigt werden soll, zerstören die bewaffneten Akteure mit der Vertreibung der Landbevölkerung kleinbäuerliche, vor allem auf Subsistenzwirtschaft basierende Lebensweisen, um Platz zu schaffen für Agroindustrie, Bergbau und technische Megaprojekte.

Die Vertreibung ist eine Strategie in einem Konflikt um Land, der sich nicht zuletzt durch die steigende internationale Nachfrage nach Agrotreibstoffen verschärft. In diesem Vortrag geht es daher auch darum, was die Not der kolumbianischen Binnenvertriebenen mit uns zu tun hat. Trotz der Übermacht der bewaffneten Gruppen leisten die Menschen in vielen Regionen Kolumbiens Widerstand gegen die Vertreibung oder schließen sich an ihren Zufluchtsorten zusammen, um für ihr Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Nichtwiederholung der Vertreibung zu kämpfen. Davon soll ebenfalls berichtet werden: wie sich Binnenvertriebene und von Vertreibung bedrohte Gemeinschaften gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen und sozialen Bewegungen für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und für die Wiedergutmachung von Landraub und Menschenrechtsverletzungen einsetzen. Nora-Christine Braun ist Ethnologin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Gewalt, bewaffneter Konflikt und Vertreibung in Kolumbien. Im Rahmen ihrer Promotion führte sie 2003 und 2004 eine Feldforschung zu den Hilfsmaßnahmen, die in Kolumbien für Binnenvertriebene stattfinden, durch. Die unmittelbare Begegnung mit dem Leid derjenigen, die vor den bewaffneten Gruppen fliehen mussten, veranlasste sie, sich neben ihrer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Kolumbien für die Opfer des bewaffneten Konflikts zu engagieren.

Montag, 24.06.2013 um 20 Uhr Marburger Weltladen, Markt 7, 35037 Marburg

Veranstalter: Marburger Weltladen Marburger Forum für entwicklungspolitische und interkulturelle Themen in Kooperation mit ARBEIT und LEBEN Marburg (AG von DGB und vhs)

Infos unter: http://www.marburger-weltladen.de/pages/veranstaltungen/20130624-interne-vertriebene-in-kolumbien.php