Wahrheitskommission einmal anders: Arbeit feministischer Basisorganisation

22.07.2013 | von Regula Fahrländer / Monatsbericht Juni 2013 der Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien

Die Ruta Pacífica de las Mujeres hat sich der Herausforderung gestellt, das Verständnis davon, was eine  Wahrheitskommission ist, neu zu interpretieren. Von Frau zu Frau, mit einem feministischen Ansatz, hat sie sich ins unglaubliche Wagnis gestürzt, über 1000 Frauen zu Wort kommen zu lassen. Im Bericht „Memoria para la vida, una comisión de la verdad desde las mujeres para Colombia“[1] erzählen sie nicht nur, was dabei herausgekommen ist, sondern vor allem, wie sie vorgegangen sind.

In den 1990er Jahren wurden die ersten Wahrheitskommissionen ins Leben gerufen. Von der Regierung verordnet, sollen sie nach dem Ende einer Diktatur oder eines Bürgerkrieges Licht in die Vergangenheit und besonders in die von Militär und Staat  begangenen Menschenrechtsverletzungen bringen.[2] Die offizielle Einberufung einer Wahrheitskommission ist ein staatlicher Akt, wodurch diese neue Institution über Legitimation, Entscheidungskompetenz sowie über ausgiebige finanzielle Mittel und menschliche Ressourcen verfügt. Häufig können sie auch auf die Unterstützung der UNO und von internationalen Institutionen und Experten aus diversen Ländern zählen. In den meisten Fällen arbeiten die Kommissionen mit einem historischen und/oder rechtlichen Ansatz, während die psychosozialen Aspekte kaum beachtet werden.
Das Projekt einer Comisión de la Verdad desde las mujeres para Colombia (Wahrheitskommission der Frauen für Kolumbien) der Basisbewegung Ruta Pacífica de las mujeres (Ruta) unterscheidet sich in jedem Punkt von der gängigen Definition einer Wahrheitskommission: Obwohl der Bürgerkrieg nach wie vor andauert, hat sie die Arbeit aufgenommen. Ohne institutionelle Unterstützung und nur mit vereinzelter finanzieller Hilfe von internationalen Organisationen hat die Basisbewegung ein unabhängiges Projekt in Angriff genommen, welches ganz ohne staatliche Anerkennung arbeitet, jedoch umso mehr mit jener der betroffenen Frauen. Spezialistinnen mit Erfahrung in psychosozialer Arbeit und in Menschenrechtsarbeit haben sich daran gemacht, in den neun Regionen des Landes, in denen die Ruta präsent ist, mit betroffenen Frauen zu reden. Der feministische Ansatz und die psychosoziale Arbeit mit den Frauen standen dabei im Vordergrund.

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http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/wahrheitskommission-einmal-anders-die-arbeit-einer-feministischen-basisbewegung/

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