24.11, 18:30(CET): Online Veranstaltung- 5 Jahre Friedensabkommen

Mit dem Friedensabkommen von 2016 einigten sich die kolumbianische Regierung und die FARC Guerilla auf die Beendigung des über 50-jährigen bewaffneten internen Konflikts. Sie setzten darin einen Rahmen für Wahrheitsfindung, die juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen, die Würdigung und Entschädigung der Überlebenden sowie Garantien für den Schutz vor weiterer Gewalt. Fünf Jahre und einen Regierungswechsel später ist es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie hat sich Kolumbien in dieser Zeit verändert und wie steht es heute um den Frieden?

Veranstaltende Organisationen: action pro colombia e.V., Adveniat, Amnesty International, Brot für die Welt, Caritas international, Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen, FIAN Deutschland, Heinrich-Böll-Stiftung, kolko – Menschenrechte für Kolumbien e.V., MISEREOR, Öku-Büro München, pax christi – Deutsche Sektion e.V., peace brigades international – Deutscher Zweig, terre des hommes – Deutschland

Online-Podiumsdiskussion, 24. November 2021, 18.30-20 Uhr (CET)

5 Jahre Friedensvertrag in Kolumbien: eine Zwischenbilanz

Mit dem Friedensabkommen von 2016 einigten sich die kolumbianische Regierung und die FARC Guerilla auf die Beendigung des über 50-jährigen bewaffneten internen Konflikts. Sie setzten darin einen Rahmen für Wahrheitsfindung, die juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen, die Würdigung und Entschädigung der Überlebenden sowie Garantien für den Schutz vor weiterer Gewalt. Fünf Jahre und einen Regierungswechsel später ist es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie hat sich Kolumbien in dieser Zeit verändert und wie steht es heute um den Frieden?

In wenigen Monaten wird die durch das Friedensabkommen eingesetzte Wahrheitskommission ihren Abschlussbericht vorlegen. Zahlreiche Anfeindungen machen bereits jetzt deutlich, dass der Bericht bei vielen einflussreichen Personen und Gruppen starke Abwehrreaktionen hervorrufen wird. Derweil hat die Sonderjustiz für den Frieden mit der strafrechtlichen Aufarbeitung des Konfliktes begonnen: Von besonderer Bedeutung sind dabei der sogenannte Fall 001 zu Entführungen durch die FARC Guerilla und der Fall 003 zu außergerichtlichen Hinrichtungen durch das kolumbianische Militär. Gleichzeitig bleibt die Aufarbeitung der systematisch eingesetzten geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen und Mädchen im bewaffneten Konflikt weiter eine der großen Herausforderungen des Friedensprozesses.

Trotz erster wichtiger Fortschritte in der Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen bleibt der Friedensprozess in der Bekämpfung von Konfliktursachen weit hinter den Erwartungen zurück. Es geht kaum voran beim Erreichen der im Abkommen formulierten Ziele für mehr soziale Gerechtigkeit und Demokratisierung. Gemeinden und Konfliktüberlebende werden weiterhin unzureichend politisch beteiligt, viele Ex-Kombattant_innen der FARC nur dürftig bei der Wiedereingliederung unterstützt. Armut und soziale Ungleichheit haben während der Covid-19-Pandemie sogar zugenommen, Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger_innen steigen immer weiter an.

Der Mehrzahl der Menschen bleibt der Zugang zu Bildung, Einkommen und Gesundheit verwehrt. Mittlerweile leben 42 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze; weitere 30 Prozent gelten als wirtschaftlich vulnerabel. Das oberste ein Prozent der Bevölkerung verfügt über etwa 40 Prozent des Vermögens. Die Wut vor allem junger Menschen über die anhaltende Gewalt und die frappierende Verteilungsungerechtigkeit spiegelt sich in den aktuellen sozialen Protesten gegen die Regierung wider.

Mit unseren Gästen wollen wir der Frage nachgehen, wo der Friedensprozess nach fünf Jahren steht. Was hat sich in dieser Zeit verbessert, was sogar verschlechtert? Und was verheißen die 2022 anstehenden Präsidentschaftswahlen? Von der internationalen Staatengemeinschaft hat Kolumbien vielfältige Unterstützung erfahren, gleichzeitig geraten internationale Menschenrechtsorganisationen im Land zunehmend unter Druck und werden auch von Regierungsmitgliedern immer wieder angegriffen. Wir fragen deshalb auch: Welche internationalen Interessen und Einflüsse spielen eine Rolle? Wie kann und sollte internationale Unterstützung für Menschenrechte und Frieden in Kolumbien künftig aussehen?

Mit: 

Camilo González Posso (Forschungsinstitut für Entwicklung und Frieden – INDEPAZ)

Danelly Estupiñán Valencia (Vertretung der afrokolumbianischen Gemeinden – PCN)

Nadiezhda Natazha Henríquez Chacín (Vorsitzende Richterin bei der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden – JEP )

Juliette de Rivero (Vertreterin in Kolumbien der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte – UNHCHR)

Moderation: Silke Pfeiffer (Brot für die Welt)

Anmeldung/Inscripción:

Deutsch:

https://calendar.boell.de/de/event/5-jahre-friedensvertrag-kolumbien-eine-zwischenbilanz

Spanisch:

https://calendar.boell.de/es/event/5-anos-del-acuerdo-de-paz-en-colombia-un-balance-intermedia

Foto: © Angela Valenzuela