Eilaktion Drohungen gegen MOVICE / Kleinbauern, die Land zurückfordern

autor: ÖLH Kolumbien und Peru-Netzwerk von Brot für die Welt

Eilaktion zur Unterstützung mehrerer Mitglieder der „Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen“ (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE) in Kolumbien:
Die Briefvorlagen sollen auf dem Postweg (Portokosten Kolumbien: 75 ct.) zugestellt werden – die Botschaft kann auch per Mail angeschrieben werden.

Am 8. Mai haben drei MenschenrechtsverteidigerInnen und ein Rechtsanwalt in Sucre, im Norden Kolumbiens, Morddrohungen erhalten. Alle vier setzen sich dafür ein, dass Kleinbauern das Land zurückerhalten, das während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien rechtswidrig beschlagnahmt worden war. Weitere MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich für die Rückgabe von Land an Kleinbauern und gegen Straffreiheit einsetzen, haben Ende April ebenfalls Drohungen erhalten.

Franklin Torres, Pedro Geney und Ingrid Vergara, MenschenrechtsverteidigerInnen und Mitglieder der Regionalgruppe Sucre des Verbands „Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen“ (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE) sowie Jeison Pava, der als Anwalt für die „Organisation zum Schutz der Menschenrechte“ (Comité Permanente por la Defensa de los Derechos Humanos – CPDH) tätig ist, haben am 8. Mai eine E-Mail erhalten, in der alle vier namentlich erwähnt und mit dem Tode bedroht wurden. Die Morddrohung wurde in Form eines Angebots eines Bestatters verschickt, der vier Särge zum Preis von zweien anbot. Die vier MenschenrechtsverteidigerInnen unterstützen Kleinbauern im Departamento Sucre dabei, ihr Land zurückzuerhalten.

Am 29. April fand Rosa Amelia Hernández, eine Gemeindesprecherin im nördlichen Departamento Córdoba, die Verbindungen zu MOVICE hat, eine Gewehrkugel auf den Eingangsstufen ihres Hauses. Zwei Tage zuvor hatte sie Opfer der Landkonflikte auf einem Treffen zum Thema Landrückgabe vertreten. Am 28. April befand sich Hermés Verbel Rocha, ein Mitglied von MOVICE, auf der Terrasse des Hauses seiner Tochter, als sich zwei Männer auf einem Motorrad näherten. Einer der beiden Männer stieg vom Motorrad ab und ging mit einer Waffe in der Hand auf Hermés Verbel Rocha zu. Hermés Verbel Rocha rannte ins Haus und die beiden Männer fuhren davon. Die Angehörigen der Familie Verbel Rocha kämpfen gegen Menschenrechtsverletzungen, die von Paramilitärs begangen wurden.

Informationen zu MOVICE, den Hintergründen und den Appellen finden Sie auf den folgenden Seiten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

MOVICE ist ein Zusammenschluss von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens lang anhaltendem bewaffneten Konflikt ein. Die Mitglieder von MOVICE haben bereits viele Fälle von Tötungen und Verschwindenlassen im Departamento Sucre dokumentiert und aufgedeckt, die auf das Konto von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen gingen. Am 6. März organisierte MOVICE Protestmärsche, mit denen insbesondere die Umsetzung eines wirksamen und umfassenden Prozesses für die Rückgabe von Grundstücken gefordert wurde, die von allen am Konflikt beteiligten Parteien gewaltsam vereinnahmt worden waren – von Paramilitärs, Sicherheitskräften und Guerillagruppen.

Die Familie Verbel Rocha nahm zusammen mit anderen MOVICE-Mitgliedern aus Sucre an den Protestmärschen am 6. März teil. Zu den weiteren TeilnehmerInnen gehörten auch Kleinbauern der La Europa-Farm aus dem Verwaltungsbezirk Ovejas im Departamento Sucre. 1994 waren zwölf Kleinbauern der La Europa-Farm von Paramilitärs getötet und 80 weitere vertrieben worden. Die Regionalgruppe von MOVICE in Sucre setzt sich für die Rückgabe der La Europa-Farm ein. Einige Kleinbauern sind seitdem auf die Farm zurückgekehrt, und ihre Häuser sind bereits mehrfach der Brandstiftung zum Opfer gefallen.

Der Bruder von Hermés Verbel Rocha, Eder Verbel Rocha, wurde am 23. März 2011 von Paramilitärs getötet.

Rosa Amelia Hernández ist eine Gemeindesprecherin und Mitglied der „Organización de Afrodescendientes o Comunidades negras desplazadas y Víctimas de la Violencia del Municipio de Planeta Rica“ (Odeprivicor), einer Organisation die sich für AfrokolumbianerInnen und vertriebene afrikanisch-stämmige Gemeinschaften sowie für Gewaltopfer im Verwaltungsbezirk Planeta Rica, im nördlichen Departamento Córdoba, einsetzt. Im März 2012 wurde sie zum Ziel von Einschüchterungsversuchen und Drangsalierungen, weil sie zusammen mit MOVICE die Demonstrationen organisiert hatte, die am 6. März in ganz Kolumbien stattfanden.

Wir möchten Sie hiermit bitten, die Mitglieder von MOVICE auch dieses mal zu unterstützen, dass ihre weitere Sicherheit gewährleistet wird und dass eine Untersuchung eingeleitet wird, die die Vorfälle aufklärt und diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die sie durchgeführt haben.

Bitte senden Sie per Post oder per Fax die beigefügten Briefe so schnell wie möglich an die angegebenen Adressen oder Fax-Nummern, um Ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen. Sollten Sie die Schreiben per Fax schicken, kann es sein, dass jemand abhebt, bitte sagen Sie dann: „me dá tono de fax por favor“. Beim faxen nach Kolumbien kann auch die Zeitverschiebung wichtig sein, wenn dort kein automatisches Faxgerät steht.

Bitte schicken Sie auch je eine unterschriebene Kopie der Appelle an die beiden angegebenen Adressen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Freie Übersetzung der gleichlautenden beigefügten Briefe:

Herr Präsident / Sehr geehrter Herr Villamizar,

Von Amnesty International und „Brot für die Welt“, Aktion der Evangelischen Kirchen in Deutschland, habe ich erfahren, dass Mitglieder der Organisation „Nationale Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen“ (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE) erneut Morddrohungen erhalten haben. Es handelt sich dieses mal um folgende Personen FRANKLIN TORRES, PEDRO GENEY, INGRID VERGARA, HERMES VERBEL ROCHA y ROSA AMELIA HERÁNDEZ. Auch Herr JEISON PAVA, Rechtanswalt der „Organisation zum Schutz der Menschenrechte“ (Comité Permanente por la Defensa de los Derechos Humanos – CPDH) wurde am 8. Mai bedroht.

Ich fordere Sie auf, nach genauer Absprache mit den Betroffenen, Schutzmaßnahmen für alle diese Personen zu ergreifen.

Ich bitte Sie eindringlich, eine vollständige und unabhängige Untersuchung sowohl zu den Morddrohungen gegen Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara, Jeison Pava und Rosa Amelia Hernández als auch zum Anschlag auf das Leben von Hermés Verbel Rocha einzuleiten. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen anschließend veröffentlicht werden, und bringen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

Ich möchte Sie zudem daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, MenschenrechtlerInnen zu schützen.

Hochachtungsvoll

(hier folgt Ihre Unterschrift)

span. Brief an Präsidenten

span. Brief an Schutzbehörde
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Bitte schicken Sie die Appelle an: (siehe Adresskopf der beigefügten Briefe)

·     Staatspräsident, Herr Juan Manuel Santos

  Leiter des Schutzprogramms des Innenministeriums, Herr Andrés Villamizar
(wir haben keine Fax-Nummer zu seinem Büro)

Kopien jeweils beider Briefe an:

·   Botschaft der Republik Kolumbien, S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado

·   MOVICE

Kopien entsprechend – bitte unterzeichnen Sie diese wie das Original.