Internationaler Gewerkschaftsbund: allein in Kolumbien 49 Morde an Gewerkschaftern im Jahr 2010

IGB

In seiner weltweiten Übersicht weist der IGB auf die dramatische Situation in Kolumbien hin.

http://www.ituc-csi.org/weltweite-ubersicht.html?lang=de

Weltweite Übersicht: Gewerkschaftsrechte und wirtschaftliche Freiheiten überall unterdrückt

8. Juni 2011: Übersicht über 143 Länder – Gesamtamerika weiterhin tödlichste Region – Arabischer Frühling hat seinen Ursprung in der Unterdrückung der Beschäftigten und der Missachtung wirtschaftlicher Rechte

Kolumbien und die gesamtamerikanische Region halten in der vom IGB am Rande der 100. Internationalen Arbeitskonferenz der IAO in Genf vorgestellten jüngsten Ausgabe der weltweiten Jährlichen Übersicht über die Verletzungen von Gewerkschaftsrechten (http://survey.ituc-csi.org/?lang=de) weiterhin den traurigen Rekord an Morden und Repressionen gegen aktive Gewerkschaftsmitglieder.

Die 143 Länder abdeckende Jährliche Übersicht zeichnet ein Bild des Kampfes von Menschen, die für mehr wirtschaftliche Rechte und Vereinigungsfreiheit eintreten, worauf viele Regierungen und Unternehmen mit Repressionen, Entlassungen, Gewalt, Morddrohungen und Mord reagieren.

Die sich auf das Jahr 2010 beziehende Übersicht dokumentiert:
– 90 ermordete Gewerkschafter/innen (49 allein in Kolumbien)
– 75 angezeigte Morddrohungen und mindestens 2.500 Verhaftungen
– wenigstens 5.000 aufgrund ihrer Gewerkschaftsarbeit entlassene Gewerkschafter/innen.

„Überall auf der Welt versuchen Arbeitnehmer/innen und die Bevölkerung allgemein, ihr grundlegendes Recht auf menschenwürdige Arbeit und ein menschenwürdiges Leben einzufordern, und in vielen Ländern werden diese Bestrebungen mit Entlassungen, Gewalt und in extremen Fällen mit Mord seitens der Regierungen, der Arbeitgeber und der Unternehmen erwidert“, kommentierte heute die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Sharan Burrow.

Zu den in der Übersicht hervorgehobenen globalen Trends gehören Regierungen, die die Arbeitsgesetze nicht in Kraft setzen, mangelnde Unterstützung für die Finanzierung von Aufsichts- und Schutzsystemen, fehlende Rechte sowie Missbrauch an Wanderarbeitskräften weltweit, vor allem aber in den Golfstaaten, sowie die Ausbeutung der vorwiegend weiblichen Arbeitskräfte in den Freien Exportzonen der Welt.

Im Nahen Osten zeichnet die Jährliche Übersicht für das Jahr 2010 ein Bild der Repression seitens Regierungen, die versuchen, ihre Bevölkerung daran zu hindern, ihr Leben durch eine Gewerkschaftsvertretung, bessere Löhne und Tarifverhandlungen in wirtschaftlicher Hinsicht zu verbessern.

– In Ägypten dokumentiert die Übersicht Entlassungen und Repressalien durch Arbeitgeber, Polizeigewalt und zahlreiche Verhaftungen im Zuge des zunehmenden Beitritts der Beschäftigten zu unabhängigen Gewerkschaften und ihrer Beteiligung an Streiks.
– In Tunesien hebt die Übersicht die zunehmende Welle sozialer Proteste in Verbindung mit dem Kampf für wirtschaftliche Rechte und die Eingriffe der Regierung in Gewerkschaftsangelegenheiten als Reaktion darauf hervor.
– In Bahrain unterstreicht die Übersicht das wiederkehrende Problem der Arbeitslosigkeit und Ungleichheit, und in diesem Jahr verfolgt der IGB zudem das Verschwinden, Verhaftungen und Gewalt gegen unabhängige Gewerkschafter während der letzten Monate.

„Unabhängige Gewerkschaften sind unerlässlich für die Verbesserung der Lebensstandards der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überall auf der Welt. Die Jährliche Übersicht des IGB macht deutlich, dass viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter beim Kampf für das grundlegende Recht auf einen menschenwürdigen Arbeitsplatz und ein menschenwürdiges Leben ihr Leben für das Wohl ihrer Gemeinwesen riskieren.“

Burrow richtet auch eine Warnung an die maßgeblichen internationalen Organisationen und die G20.

„Die Arbeitslosigkeit nimmt weltweit zu. Ohne gute Arbeitsplätze oder Hoffnung für die Zukunft besteht die Gefahr, dass die politische Instabilität größer wird. Gewerkschaftsrechte sind von grundlegender Bedeutung für Demokratie, Wirtschaftswachstum und eine zivilisierte Zukunft“, so Burrow.