Menschenrechtsverletzungen durch den Kohleabbau in El Cerrejón – Gerichtsverfahren, hg. von Misereor

Übersicht über Gerichtsverfahren gegen das Kohleunternehmen El Cerrejón in der kolumbianischen Kohleabbauregion Guajira. Erstellt vom Anwaltskollektiv José Alvear Restrepo und in gekürzter, deutscher Fassung herausgegeben von Misereor. Das Anwaltskollektiv José Alvear Restrepo(CAJAR)hat im Süden des Departements La Guajira mehrere afrokolumbianische und in-digene Gemeinden der Wayuúbegleitet, die vom Kohleabbau in einem der größten Tage-baugebiete der Welt […]

Übersicht über Gerichtsverfahren gegen das Kohleunternehmen El Cerrejón in der kolumbianischen Kohleabbauregion Guajira. Erstellt vom Anwaltskollektiv José Alvear Restrepo und in gekürzter, deutscher Fassung herausgegeben von Misereor.

Das Anwaltskollektiv José Alvear Restrepo(CAJAR)hat im Süden des Departements La Guajira mehrere afrokolumbianische und in-digene Gemeinden der Wayuúbegleitet, die vom Kohleabbau in einem der größten Tage-baugebiete der Welt betroffen sind. Im Rahmen der juristischen Unterstützung und organisatorischen Stärkung sowie durch Einflussnahme und Kommunikation wurden die erlittenen Beeinträchtigungen und Schäden belegt. Das Ausmaß und die Folgen für die Gemeinden wurden mit Fachgutachten, Schriftstücken und Videoclips, Wissen-schafts -und Gemeindeforen sowie rechtlichen Schritten gegen das Bergbauunternehmen Carbones el Cerrejón und den kolumbianischen Staat nachgewiesen. Durch die daraufhin erwirkten Gerichtsbeschlüssewurden die Rechte der Gemeinden unter Schutz gestellt und das Unternehmen und der Staat verurteilt. Darüber hinaus wurden weitere Rechtsansprüche analysiert, darunter das Recht der betroffenen Gemeinden auf vorherige Konsultation. CAJAR hat die eingereichten Klagen und bisherigen Urteile in einem ausführlichen Bericht zusammengefasst. Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine von MISEREOR gekürzte Fassung dieses Berichts.

ZENTRALE PROBLEMSTELLUNGEN

Der Kohleabbau in La Guajira hat für die Gemeinden schwere Schäden, Beeinträchtigun-gen und Rechtsverletzungen zur Folge, dazu gehören:

Das Recht auf eine intakte Umwelt und ein ökologisches Gleichgewicht:Verschmutzung von Luft und Wasservorkommen / landschaft-liche Veränderungen.

Das Recht auf angemessene Ernährung:Verdrängung der land-und viehwirtschaftlichen Aktivitäten durch den Bergbau in den wenigen Gebieten, die den Gemeinden noch für diese Tätigkeiten verblieben sind.Das Bergbauunternehmen hat im Zuge der Umsiedlungen und Vereinbarungen die Ablösung der traditionellen Aktivitäten durch neue „Gschäftszweige“ vorangetrieben und damit deren Möglichkeiten eingeschränkt,sich selbst zu ernähren.

Das Recht auf Gesundheit und Hygiene: Luftbelastung durch Kohlestaubemissionen, Erkrankungen durch Verunreinigung von Gewässern, Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle.

Das Recht auf Transparenz und Effektivität der Verwaltung:Korruption und zweckfremde Verwendung der Unternehmensabgaben („re-galías“) vs. Entwicklung der Region. Amtstä-tigkeit der Umweltbehörden angesichts der immer wieder vorgebrachten Beschwerden der Gemeinden; Verhalten des Innenministeriums in seiner Funktion als Garant für die Anerkennung der Gemeinden in ihrem Territorium und für die Durchführung vorheriger Konsultationen.

Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte:Die Gemeinden werden in jeder Hinsicht in ihrer Lebensweise beeinträchtigt. Dies beginnt bei ihren traditionellen Wirtschaftsformen zur Sicherung des Lebensunterhalts für ihre Familien. Die Gemeinden haben diesen Aspekt bereits als Ursache für den Verlust ihrer Ernährungssicherheit und souveränität, für Dürren, Unterernährung und hohe Kinder-sterblichkeitsraten identifiziert. Umsiedlungen,Vertreibung, Landraub und individuelle Grundstückskäufe stellen ein weiteres großes Problem dar. Auch sind die Begräbnisstätten der indigenen und afrokolumbianischen Bevölkerung in ihrer Existenz bedroht. Die Ge-meinden sind veränderten Marktdynamiken ausgesetzt und in ihrem spirituellen Glauben und ihrer Kultur durch die Umleitung von Bächen und Flüssen massiv beeinträchtigt. Auch leiden die Menschen unter dem Lärm der vor-beifahrenden Güterzüge, mit denen die Kohle abtransportiert wird. Davon sind in besonderer Weise die „Soñadoras“1betroffen…

1. Anm. d. Ü.: Die „Soñadoras“ („Träumerinnen”) sind geistige Führerinnen, denen in der Tradition des Wayuú-Volkes eine ganz besondere Bedeutung als Traumdeuterinnen und Brücke zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt zukommt .Zuglärm unterbricht sie in ihren Träumen, die als wichtige Informationsquelle für die Gemeinde gelten.
Gesamter Bericht zum download: publikation-menschenrechtsverletzungen-durch-den-kohleabbau-in-el-cerrejon