Goldrausch in Segovia: Monatsbericht der ask, September 2013 / No. 9

autor: Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien

Goldrausch in Segovia: Massaker, Staatsbetrug und satte Gewinne für Kolumbiens Politiquería
Im Gedenken an die Massaker-Opfer vor 25 Jahren in Segovia, von Peter Stirnimann

Am 11. November 1988 kurz nach 18.40 Uhr kreuzen im Stadtkern von Segovia drei Offroader auf. Darin sitzen schwerbewaffnete Männer. Innerhalb einer guten Stunde bringen sie anhand von Personenlisten 46 Personen zum Teil in ihren Häusern um und lassen über 60 Personen verletzt liegen. Dieses paramilitärische Massaker mit der Polizei und dem Militär koordiniert, ist nur eine Station auf dem langen Kreuzweg einer Goldminenregion, der bis heute andauert und sich zur Zeit im erneuten Goldrausch in El Dorado zuspitzt.

Das Blutbad von Segovia im Nordwesten des Departements Antioquia steht am Anfang des politischen Genozids an der linken Union Patriótica, bei welchem mehr als 3000 AnhängerInnen den gewaltsamen Tod fanden. Dabei ging es – wie Segovia zeigt – nicht nur um unterschiedliche politische Konzepte, sondern ganz wesentlich um finanzielle Pfründe. „In diesen Jahren, wurde in den Minen von Segovia 94% des kolumbianischen Goldes abgebaut. Dieser Reichtum hat aber unserer Region keine wirkliche Entwicklung gebracht, um die Basisbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Wir haben nichts bemerkt von dem vielen Geld, wussten aber, dass es die Geldbeutel der Liberalen füllte, speziell derjenige von César Pérez…Die Lizenzgebühren an die Gemeinde für den Goldabbau waren immens. Zum Vergleich: damals war der Minimallohn 18’500 Pesos. Monatlich erhielt die Gemeinde 3 Millionen. Davon verschwanden 90% in den Taschen der Liberalen,“ sagt die damalige Gemeindepräsidentin Rita Tobón der Linkspartei Union Patriótica. Diese Partei entstand im Friedensprozess zwischen den FARC und Präsident Belisario Betancur. Sie trat als linke Opposition an, um eine demokratische Alternative zur politischen Misswirtschaft und Kriminalität der traditionellen Parteien aufzubauen. Rita Tobón wurde im März 1988 als erste Frau der UP trotz vieler Drohungen in Segovia zur Gemeindepräsidentin gewählt. Wie durch ein Wunder hat sie das Massaker heil überlebt, musste darauf aber sofort ins europäische Exil flüchten, wo sie bis heute geblieben ist. Das Trauma des Massakers vom November 1988 belastet sie bis heute.

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